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              Ressourcen-Sharing - Ein Modell für Bibliotheken?

Allgemeines | Ideen und Erfahrungen aus der Verwaltung | Ideen und Erfahrungen aus Bibliotheken | Leihringe | Sondersammelgebiete | Konsortien | Absprachen über Bestandsaufbau | Weitere Beispiele | Fazit
Sparzwang, stagnierende Etatansätze, Verteuerung und Erhöhung des Informationsangebotes. Heutzutage gibt es kaum jemand für den diese Schlagworte noch Fremdwörter sind. Nicht nur Bibliotheken, sondern auch Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung und anderer Einrichtungen müssen sich damit beschäftigen und im Hinblick auf den effizienten Erhalt der eigenen Einrichtung nach Lösungswegen suchen. Welche Möglichkeiten gibt es nun aber, um mit möglichst verringertem Finanzaufwand den bisherigen Dienstleistungsstandard zu halten?
Ein Weg für den sich immer mehr Einrichtungen entscheiden wird mit dem Begriff "Ressourcen-Sharing" überschrieben, was soviel bedeutet wie Kooperation und Arbeitsteilung. Inwiefern lassen sich nun aber damit vorhandene Ressourcen besser nutzen und wie wirkt sich dieses Modell auf die angespannte Finanzsituation der Einrichtungen aus? Von welchen zentralen Organisationen können kooperative Dienstleistungen in Anspruch genommen werden und wie sehen bereits existierende Modelle für Ressourcen-Sharing aus?
Auf diese und andere Fragen versuchen wir im Folgenden Antworten zu finden und alternative Möglichkeiten für einzelne Einrichtungen aufzuzeigen.

1. Allgemeines

1.1 Definition Ressourcen- Sharing

Der Begriff Ressourcen- Sharing heißt übersetzt soviel wie "kooperative Nutzung von Arbeitsmitteln, Geldern, Medien, Arbeitskraft und Erfahrung" innerhalb der eigenen oder mit externen Einrichtungen. Die Frage die sich im Zusammenhang mit diesem Thema stellt, ist aus welchen Gründen gerade heute Ressourcen- Sharing immer wichtiger wird? Bestrebungen zur Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen gibt es auch in Deutschland schon lange. Als Beispiele hierfür können die langjährige Nutzung gemeinsamer Ressourcen in Bibliotheken genannt werden. In Bereichen wie den Sondersammelgebieten, bei der Erstellung von Gesamtkatalogen und in diesem Zusammenhang auch dem auswärtigen Leihverkehr und beim Aufbau von Verbundsystemen und innerhalb dieser beispielsweise der gemeinsamen Katalogisierung aller Verbundteilnehmer wurde die Bedeutung der kooperative Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen schon lange erkannt.
Weshalb werden aber heute verstärkt Mittel und Modelle für Ressourcen- Sharing erarbeitet und ausgebaut. Gründe hierfür sind in Deutschland und international vor allem der Sparzwang dem mittlerweile die meisten Einrichtungen unterliegen. Es stehen immer weniger Mittel zur Verfügung, die dafür effektiver genutzt werden müssen und den Qualitäts- und Quantitätsstandard der Dienstleistungen der jeweiligen Einrichtungen zu halten. Die stagnierenden Etatansätze der Bibliotheken kombiniert mit dem steigenden Literaturangebot zu enorm gestiegenen Preisen bewirken einen starken Kaufkraftverlust der Bibliotheken. Um nun den ebenfalls gestiegenen Anforderungen seitens der Kunden bezüglich Qualität und Umfang des Angebots gerecht zu werden, müssen neue Kooperationswege und Möglichkeiten erschlossen werden, um nachhaltig und effizient die Fortführung der Arbeit in Bibliotheken zu garantieren.

2. Ideen und Erfahrungen aus der Verwaltung

2.1 Allgemeines zur Interkommunalen Zusammenarbeit

Ziel ist es, die Wirtschaftlichkeit der kommunalen Leistungserstellung zu verbessern und intelligent zu sparen. Zwei wesentliche Ansatzpunkte gibt es für die interkommunale Zusammenarbeit: erstens die gemeinsame Erstellung kommunaler Leistungen, häufig im regionalen Umfeld der Kommune und zweitens Wissens- und Know-How-Transfer.
In der Vergangenheit sind vor allem interne Servicebereiche von mehreren Verwaltungen genutzt worden, wie zum Beispiel Pflege und Wartung öffentlicher Infrastruktur und IT- Serviceleistungen.
Durch die rasante Entwicklung der Informationstechnik, wird es in Zukunft bessere Möglichkeiten geben, eine Wirtschaftlichkeitssteigerung nicht nur bzgl. der Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden, sondern auch im Bereich des Arbeitsverhaltens der einzelnen Mitarbeiter in der Kundenarbeit. Elektronische Kommunikation ermöglicht die Trennung zwischen Standort des Kunden und Standort der Produktion der Verwaltungsleistung. Der Kunden muss sich nicht mehr dafür interessieren, wo die Leistung der Kommune erbracht wird!

2.2 Ideen und Erfahrungen aus der Verwaltung

Beispiele für existierende Zusammenarbeit:

Immer mehr Kommunen teilen sich gemeinsame Verwaltungsaufgaben um damit Geld einzusparen. Strategien der Zusammenarbeit zu entwickeln bedeutet wirtschaftlicher und effizienter zu arbeiten. Folgend nun einige Beispiele wie interkommunale Zusammenarbeit aussehen könnte: Gemeinsame städtische Einrichtungen haben folgende Städte: Weitere Beispiele für die Möglichkeiten die sich Kommunen zur Zusammenarbeit bieten ist das Modell, dass sich mehrere Gemeinden einen gemeinsamen Bürgermeister teilen.
Tübingen und Reutlingen versuchen mit einem gemeinsamen Biotechnologiepark Konkurrenz zu vermeiden und die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu verstärken.Die Städte Erfurt, Jena, Weimar und Kreis Weimarer Land haben ein Kooperationsprojekt zur Koordinierung gemeinsamer kultureller Aktivitäten aufgebaut, wobei als Ziel gilt durch die gegenseitige Unterstützung die Durchführung kultureller Höhepunkte zu erleichtern. Zu den Aktivitäten für diese Zusammenarbeit gehörten 1995 die gemeinsame Vorbereitung von "Weimar 1999 - Kulturstadt Europas". 2000 wurden dann kulturelle Highlights der Gebietskörperschaften zusammengefasst und in einem gemeinsamen Kulturkalender, der Informationen über Ausstellungen und Veranstaltungen beinhaltet, veröffentlicht. Auch eine "Lange Nacht der Museen" wird in regionaler Abstimmung durchgeführt. Für den Verkehr ist in diesem Jahr das Ziel gesetzt mit dem Regio- Ticket, einen gemeinsamen Verbundtarif zu schaffen. Allgemein soll durch verstärkte Zusammenarbeit in der Region eine Basis auch für die Koordination auf wirtschaftlichem Gebiet geboten werden.
Neue Wege im Bereich interkommunale Zusammenarbeit gehen auch die Stadt Aachen, Kreis Aachen und Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens (DG). Sie haben sich im Rahmen eines Kooperationsprogramms das Ziel gesetzt Verbesserungen im Finanz- und Angebotsbereich der Medienzentren der Kreisbildstelle Aachen, der Stadt Aachen und der DG durchzusetzen.
Das Projekt startete 1999 mit der Zusammenlegung der Medienbereiche der Kreisbildstelle Aachen und des Medienzentrums der Stadt Aachen, 1999 war die Geburtsstunde des "Medienzentrums Aachen - Euregionales Medienzentrum der Stadt Aachen und des Kreises Aachen"
Die längerfristigen Aufgaben dieses Projektes sind außerschulische und schulische Kinder- und Jugendarbeit im Medienbereich zu fördern, für medienpädagogische Aus- und Weiterbildung zu sorgen, medienpädagogische Fachberatungen für die Nutzer des Medienzentrums durchzuführen, die Produktion von audiovisuellen Beiträgen und Mitarbeit im lokalen Rundfunk und Fernsehen zu auszubauen und Schulen und Verwaltungseinrichtungen bei der Beschaffung von AV- Geräten zu beraten. Als Fazit dieses Projektes kann gesagt werden, dass durch die Zusammenlegung der Kreisbildstelle Aachen und des Medienzentrums Aachen an einen Ort die beteiligten Institutionen vor allem eine finanzielle Erleichterung erreichten. Allerdings reagieren die Stadt Aachen und der Kreis Aachen auch auf die stärkere Vernetzung von Umland und Stadt und die damit einhergehende erhöhte Mobilität.

3. Ideen und Erfahrungen aus Bibliotheken

3.1 "Öffentliche Bibliothek und Schule - neue Formen der Partnerschaft"

Ein Modellprojekt der Bertelsmann Stiftung wurde von August 1995 bis Juni 2000 in der Stadtbibliothek Hoyerswerda durchgeführt. Diese Städte wurden auch für das Projekt ausgewählt: Greifswald, Marburg, Ratingen, Rosenheim und Villingen-Schwenningen. Das Ziel dieses Projektes war die Zusammenarbeit zwischen Stadtbibliothek und Schulen vor Ort zu verbessern, das Lesen zu fördern und den Schülern den sachgemäßen Umgang mit den unterschiedlichen Medien zu vermitteln. In Hoyerswerda beteiligten sich drei Grundschulen, zwei Mittelschulen und ein Gymnasium. Es wurden verschiedene Maßnahmen der Leseförderung, wie Klassenführungen, Medienpräsentationen und Unterricht in der Bibliothek durchgeführt. Auch nach Beendigung des Bertelsmann-Projektes werden diese Aktionen weitergeführt und sind bei den Schülern beliebt.

3.2 Aufbau eines gemeinsamen Internetauftrittes aller 10 Öffentlichen Bibliotheken im Kreis Mettmann

Das Ziel des gemeinsamen Internetauftrittes dieser Bibliotheken ist, eine virtuelle Kreisbibliothek zu schaffen. Den Kern bildet der Katalog mit den 10 Medienbeständen. Man hat so die Möglichkeit in einer Datenbank zu recherchieren und als Rechercheergebnis die besitzende Bibliothek im Kreis zu ermitteln.
Das Projekt ist ein Baustein moderner und kundenorientierter Bibliotheks- und Medienarbeit.
Positive Effekte sind unter anderem der Imagegewinn für Bibliotheken und Kommunen sowie für die Region insgesamt, außerdem eine Verbesserung der Serviceleistungen für die Kunden/Bürger. Synergieeffekte im Bereich der EDV können erzielt werden. Alle Bibliotheken erreichen einen einheitlichen, hohen Entwicklungsstandard im Bereich der Internetpräsentation. Problematisch bei der Entwicklung des gemeinsamen Internetauftrittes war der hohe Zeitaufwand aller Beteiligten bei der Abstimmung, insbesondere durch die bestehenden unterschiedlichen EDV-Konzepte der beteiligten Kommunen. Auch die haushaltstechnische Abwicklung ist durch entsprechende gesetzliche Vorgaben aufwendig.

3.3 Archiv und Bibliothek vereint

Die Stadtbibliothek in Dormagen und das Stadtarchiv Hackenbroich sind zu einer Einrichtung in der Verwaltung zusammen geführt worden. Durch diese Vereinigung und die organisatorische Veränderung können Kosten eingespart werden. Die Bürgerfreundlichkeit wurde auch erhöht. Im Zuge der Haushaltskonsolidierung kam das Stadtarchiv auf den Prüfstand, und es wurden Synergieeffekte gesucht und gefunden. Da die Auslastung der Stadtbibliothek erheblich schwankt, konnte man die Arbeit des Stadtarchivs gut mit der Arbeit der Stadtbibliothek abstimmen. Eine 25 Stunden-Stelle konnte eingespart werden. Eine räumliche Zusammenlegung von Archiv und Bücherei steht nicht zur Diskussion, weil das Stadtarchiv spezielle Unterbringungsbedingungen benötigt. Ein Umzug wäre zu teuer und die Stadtbibliothek hätte auch nicht den benötigten Platz zur Verfügung. Die Archivbestände können auch in der Hauptstelle der Stadtbibliothek genutzt werden. Die Kunden haben so die Möglichkeit, die Archivbestände länger zu nutzen, weil die Stadtbibliothek längere Öffnungszeiten hat als das Archiv. Die Mitarbeiterinnen haben in einem Workshop ausgelotet, wie man die Bestände der Bibliothek und die Bestände der Fachbibliothek mit allein 5000 Bänden und Zeitschriften miteinander verknüpfen kann. Auch können die Ausstellungen des Stadtarchivs in den Räumen der Bibliothek einem größeren Publikum zur Verfügung gestellt werden. Vorbereitungen von Ausstellungen und Projekten sind in einem größeren Team viel besser zu bewältigen.

4. Leihringe

4.1 Allgemeines

Unter einem Leihring versteht man im Allgemeinen die Kooperation von Bibliotheken zum Austausch von Beständen. Die erworbenen Medien werden untereinander in einem vereinbarten Rhythmus getauscht, mit dem Ziel das Medienspektrum der einzelnen Bibliotheken trotz knapper finanzieller Ressourcen zu erweitern.
Als Beispiel eines Leihrings für öffentliche Bibliotheken, der aufgrund der positiven Resonanz der Bibliotheken in den letzten Jahren erfolgreich weitergeführt und ausgebaut wurde, wird der DVD- Leihring Rheinhessen-Pfalz näher beschrieben.

4.2 DVD- Leihring Rheinhessen- Pfalz

In Rheinland-Pfalz organisieren die beiden Büchereistellen in Neustadt und
Koblenz seit 2002 DVD- Leihringe für öffentliche Bibliotheken. Bisher nahmen und nehmen 31 öffentliche Bibliotheken an einem DVD- Leihring teil, wobei insgesamt über 4800 DVDs erworben wurden. Ein Leihring besteht aus vier bis sechs Bibliotheken, die ihre gemeinsam erworbenen DVDs in einem Rhythmus von vier Monaten untereinander austauschen.
Die beiden Büchereistellen, die das Projekt initiiert haben, stellen den
Kontakt zwischen den Bibliotheken her, koordinieren die Bestellung der DVDs, damit keine Doppelexemplare angeschafft werden, übernehmen deren Beschaffung und ausleihfertige Bearbeitung und organisieren den Tausch. Alle teilnehmenden
Bibliotheken verfügen über die gleiche Software (Bibliotheca 2000), was den Vorteil bietet dass die Datensätze problemlos eingespielt werden können.

4.3 Vorteile

Die Vorteile die ein DVD- Leihring für die teilnehmenden Bibliotheken bietet sind die wesentlich vergrößerte Titelbreite an DVDs, die jede einzelne Bibliothek ihren Nutzern aus eigenen Mitteln niemals zur Verfügung stellen könnte. Für die benutzerorientierte Bestandsplanung kann durch die Zusammenarbeit in einem Leihring ermittelt werden, für welche Genres oder Titel es Nachfrageschwerpunkte gibt. Außerdem werden finanzielle und organisatorische Ressourcen gebündelt, wobei die Bibliotheken von den Staatliche Büchereistellen hinsichtlich Marktsichtung, Einkauf der DVDs, Erstellen von EDV- Katalogisaten und Tauschorganisation unterstützt werden. Die gemeinsame Erprobung des neuen Angebots ermöglicht einen Erfahrungsaustausch zwischen den Bibliotheken zu Präsentationsformen, zu technischen Fragen, Ausleihkonditionen usw., was die Handhabung vor Ort optimiert und die Kooperation der Bibliotheken untereinander stärkt.

4.4 Organisation

Für die Organisation des DVD- Leihrings in Rheinland- Pfalz gilt folgendes: Voraussetzung für die Teilnahme der Bibliotheken an den Leihringen war zum einen, ein EDV- Bibliotheksverwaltungsprogramm (Verbuchung mit Hilfe von Barcode-Etiketten) über das die Bibliotheken verfügen sollten. Des Weiteren sollte jede Bibliothek 1000 Euro Eigenmittel zum Erwerb von DVDs zur Verfügung stellen, wobei die Staatliche Büchereistelle mit der Anschaffung beauftragt wurde.
Die teilnehmenden Bibliotheken können zudem voraussichtlich von der Staatlichen Büchereistelle mit Landesmitteln (500 Euro pro Bibliothek) gefördert werden.
Jede Bibliothek gibt ihre Anschaffungsvorschläge an die Staatliche Büchereistelle weiter oder überlässt der Büchereistelle die Auswahl der Titel, die Staatliche Büchereistelle kauft für jede Bibliothek DVDs für den zur Verfügung gestellten Betrag und eventuell bewilligte Landesmittel. Innerhalb eines Leihrings können dann bei jedem Tausch alle Bibliotheken ihren Benutzern neue Titel anbieten.
Zentralle Dienste der Büchereistellen sind ebenfalls die Anfertigung von entsprechenden Katalogisaten, das Kleben von Barcode-Etiketten mit einem extra für den Leihring reservierten Nummernkreis auf die DVD- Hüllen. Darüber hinaus versieht die Staatliche Büchereistelle alle DVD- Hüllen mit dem Aufkleber "DVD- Leihring" und mit Hinweisen zur Entnahme der DVD aus der Verpackung. Jede Bibliothek erhält eine Titelliste ihres Bestandes, eine Gesamttitelliste des Bestandes des DVD- Leihrings und ein Merkblatt zur DVD- Ausleihe.
Der Start des Leihrings wurde Ende 2004 bekannt gegeben, zu diesem Zeitpunkt sollten alle Bibliotheken ihren Nutzern die DVDs zur Ausleihe zur Verfügung stellen, wobei jede Bibliothek selbst ihre Ausleihkonditionen festlegt.
Die DVDs bleiben über den vereinbarten Zeitraum in der Eigentümerbibliothek und werden dann an die nächste Bibliothek weitergegeben. Gleichzeitig erhält die Bibliothek von einer anderen Leihring-Bibliothek die gleiche Anzahl neue DVD- Titel.
Die Staatliche Büchereistelle erarbeitet den Umlaufplan und legt die Tauschtermine in Absprache mit den Bibliotheken fest. Die jeweils absendende Bibliothek übernimmt die Transportkosten.
Die Dauer des Leihrings ist abhängig von der Zahl der teilnehmenden Bibliotheken. Der Tausch endet, sobald die DVDs wieder ihre Eigentümerbibliothek erreichen.
Von den Bibliotheken wird vor allem die zentrale Organisation geschätzt und der
Kreis der teilnehmenden Bibliotheken konnte ständig erweitert werden. Die Leihring-Bibliotheken haben durchweg positive Erfahrungen mit der Ausleihe der DVDs gesammelt und konnten durch die Teilnahme an den Leihringen neue Nutzer/innen durch das verbesserte Angebot gewinnen, hohe Ausleihzahlen erreichen und die Attraktivität der Bibliothek steigern.

5. Sondersammelgebiete

5.1 Allgemeines

Die wissenschaftlichen Bibliotheken arbeiten im Bestandsaufbau seit Jahrzehnten zusammen im Rahmen des Sondersammelgebietsplans der DFG, in den Nachkriegsjahren mit dem Ziel, die im Ausland erscheinenden wissenschaftlichen Publikationen wenigstens einmal im Land zur Verfügung zu haben. Eine wichtige Veränderung kam nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten: die daraus resultierenden neuen Bedarfsanforderungen, die sich wie auf allen Gebieten auch im Wissenschafts- und Bibliotheksbereich ergaben, machten eine entsprechende Ressourcenverteilung notwendig. Das bisher auf die Bibliotheken der alten Länder gestützte System der überregionalen Literaturversorgung sollte auch auf die wissenschaftlichen Bibliotheken der neuen Länder ausgedehnt werden, um dieses System als Gemeinschaftsaufgabe der alten und neuen Länder weiterzuentwickeln.

5.2 WEBIS (gebildet aus WEB und BibliotheksInformationsSystem)

WEBIS ist ein Informationssystem zur überregionalen Literaturversorgung und wird von zahlreichen wissenschaftlichen Bibliotheken getragen. Es wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft dauerhaft gefördert und lässt sich zusammen mit der deutschen Bibliothek und der Sammlung deutscher Drucke als eine verteilte Nationalbibliothek ansehen.
Alle Bibliotheken, die an der überregionalen Literaturversorgung beteiligt sind, sind mit ihren Sammelschwerpunkten zu finden. Insgesamt verteilen sich 121 Sammelschwerpunkte auf über 43 Bibliotheken. WEBIS wurde zu einem System der überregionaler Literaturversorgung von Wissenschaft und Forschung ausgebaut.

5.3 Literaturbestellung

Bücher und Zeitschriftenaufsätze können über die Fernleihe bestellt werden und viele Sondersammelschwerpunktbibliotheken bieten auch Dokumentenschnelllieferdienste (SSG-S) an. Als ein kooperativer Dokumentenlieferdienst ist SUBITO zu nennen.

5.4 Nationallizenzen

Die DFG unterstützt im Rahmen des Systems der Sondersammelgebiete
Bibliotheken beim Kauf von wiss. Literatur und im Bereich der Kultur-, Rechts-, Sozial- und Politikwissenschaften wurde ein Zugang zu ausgewählten digitalen Medien für alle Wissenschaftler und Studierende in Deutschland ermöglicht.

6. Konsortien

6. 1 Definition

Der Begriff Konsortium stammt vom lateinischen Begriff consors und bedeutet
"Schicksalsgenossen".
Unter einem Konsortium versteht man heute eine "kurzzeitige Vereinigung von Unternehmen zur Führung eines gemeinsamen Geschäftes". Der Begriff ist vor allem in der Finanzwelt gebräuchlich. Bei einem Konsortium werden die gegenseitigen Verpflichtungen der Partner, Konsorten genannt, in einem Konsortialvertrag vereinbart. Die interne Interessenabstimmung und die Ausarbeitung von Angeboten für die Verlage sind wesentliche Aufgaben der Konsortien.
Die Bildung von Konsortien nahm in den letzten Jahren in allen Bereichen zu, so verzeichneten auch Bibliothekskonsortien eine steigende Anzahl von Neugründungen. Bibliothekskonsortien werden vor allem zum Erwerb von elektronischen Zeitschriften und Datenbanken gebildet.
Die weltweit ersten Konsortialverträge wurden 1996 in den USA und Großbritannien geschlossen. Das erste deutsche Konsortium war das NRW- Konsortium, welches 1997 einen Vertrag mit Elsevier schloss.

6.2 Überblick über Konsortien in Deutschland:

Bei der Gründung eines Konsortiums müssen viele Faktoren beachtet werden, zuerst einmal müssen natürlich geeignete Partner gefunden werden. Möglichkeiten Einrichtungen für einen solchen Zusammenschluss zu finden bieten Einrichtungen am selben Standort ("Standort- Konsortien"), Einrichtungen die sich in einem Verbund zusammengeschlossen haben oder fachlich gleiche Einrichtungen, wobei sich in der Praxis bisher noch keine Fachkonsortien gebildet haben, da diese aufgrund des kleinen Fachpublikums und der geringen Zahl fachlich gleicher Einrichtungen kaum eine Chance auf zentrale Fördermittel haben.

6.3 Finanzierung

Bei der Finanzierung eines Konsortiums wird natürlich bestenfalls die Selbstfinanzierung durch die Konsorten angestrebt. Aber größere Konsortien kommen, vor allem in der Anfangsphase kaum ohne Sondermittel aus. Zentrale Mittel können z. B. aus staatlichen Programmen oder von der jeweiligen übergeordneten Einrichtung kommen. Jedoch sind diese zentralen Mittel selten und nur drei der in der GASCO (s. u.) vertretenen Einrichtungen erhalten nennenswerte zentrale Zuschüsse. Mit den Sondermitteln sollten nicht mehr als 50 % der Kosten eines Titels finanziert werden, der Rest ist aus den Eigenmitteln der Bibliothek zu decken, um eine zu große Abhängigkeit der Bibliotheken von den Fördermitteln zu verhindern. Als Impulsprogramm gilt dabei das Schweizer Kooperationsprojekt des Konsortiums der Schweizer Hochschulbibliotheken. Hierbei beteiligen sich die Bibliotheken sich von Anfang an den laufenden Abonnementkosten und den Kosten für die zentrale Infrastruktur (Personal, Technik) um Abhängigkeit von Sondermitteln zu verringern.
Ein weiterer Gesichtspunkt der bei der Finanzierung zu beachten ist, ist die Frage nach dem Verteilungsschlüssel, also wie die Kosten auf die Konsorten umgelegt werden. Dafür gibt es verschiedene Verteilungsmodelle für die sich ein Konsortium entscheiden kann, so zum Beispiel nach Zahl der Nutzer, nach dem Medienbestand, dem Medienetat oder der Nutzungshäufigkeit.

6.4 Ziele

Was soll durch die Bildung eines Konsortiums eigentlich erreicht werden? Die wichtigsten Ziele sind:

6.5 Verträge

Dem Abschluss eines Konsortialvertrages gehen erhebliche Vorüberlegungen, Absprachen und Verhandlungen voraus. Zum einen müssen sich die Konsorten über die rechtliche Bedingungen eines Vertrages informieren. Am besten Erfahrungswerte anderer Konsortien einholen. Es gibt auch die Möglichkeit Musterverträge einzusehen, diese werden beispielsweise von einzelnen Verlagen zur Einsicht bereitgestellt oder können bei der ICOLC (s. u.) eingesehen werden.
Auch muss beachtet werden, dass sich die Vertragsbedingungen bei den unterschiedlichen Medien natürlich auch andere sind. Bei elektronischen Zeitschriften ist es schwieriger als bei Datenbanken Lizenzverträge für ein Konsortium abzuschließen. Konsortien schließen häufig Lizenzverträge für den unlimitierten Zugriff auf das gesamte Titelpaket eines Verlages ab. Die Zugriffe können aber unterschiedlich geregelt werden. Es wird unterschieden zwischen cross access: die einzelnen Bibliotheken haben nur Zugriff auf die einzeln lizenzierten Titel, und additional access: Verlage gewähren meist ohne Aufpreis Zugang zum kompletten Verlagsspektrum.
Bei den Datenbanken bieten die Verlage den Konsortien häufig unabhängig von der Größe und Struktur als erste Variante ein Standardlizenzmodell. Dieses dient dann meist als Diskussionsbasis für die nachfolgenden Preisverhandlungen.
Allgemein gilt, dass es bisher keine allgemeingültigen Verträge gibt, die ein Konsortium anwenden könnte. Jedes Konsortium ist einzigartig und muss individuell gesonderte Bedingungen für die Verträge festlegen.

6.6 Zentrale Organisationen für Konsortien

  1. ICOLC (International Coalition of Library Consortia)
    Die ICOLC ist ein internationaler Zusammenschluss von weltweit 160 Konsortien. Die ICOLC dient hauptsächlich als Ausbildungsanstalt, sie organisiert Teilnehmertreffen, informiert über neue elektronischen Informationsmittel, gibt Auskünfte über Preiskalkulation der Anbieter, erarbeitet Grundsatzpapiere und Musterverträge.
  2. GACSO (German, Austrian and Swiss Consortia Organization)
    Inzwischen existieren in Deutschland, Österreich und der Schweiz 20 Konsortien, die sich in der GASCO zusammengeschlossen haben.
    Die GASCO hat das Ziel, Absprachen über die Lizenzierung zwischen
    den beteiligten Bibliotheken zu verbessern. Sie entwickelt Leitlinien und neue Geschäftsmodelle für den konsortialen Bezug von elektronischer Fachinformation. Zurzeit werden von der GASCO keine Lizenzierungen vorgenommen und es gibt auch keine zentrale Geschäftsstelle für die Lizenzierung von elektronischer Fachinformation. Die Vereinigung informiert und berät jedoch Bibliotheken und trägt auf diese Weise zur Entlastung der Geschäftsstellen bei.

6.7 HeBIS Konsortium (Hessen)

Das HeBIS Konsortium ist eines der Beispiele für Konsortien in Deutschland. Das Konsortium wurde im Jahr 2000 mit dem Ziel, die vom Land zur Verfügung gestellten zentralen Mittel für alle Bibliotheken sinnvoll anlegen und Doppelanschaffungen der einzelnen Bibliotheken zu vermeiden, gegründet.
Die Teilnehmer des Konsortiums sind 12 Hochschulbibliotheken und die Hessische Landesbibliothek.
Für die Organisation wurde eine zentrale Geschäftsstelle "AG HeBIS- Konsortium" eingerichtet. Mit dem HeBIS Konsortium verfügen mit dem Friedrich- Althoff- Konsortium nur noch zwei weitere in der GASCO vereinigt Konsortien über eine zentrale Geschäftsstelle.
Die Aufgaben der zentralen Geschäftsstelle bestehen in der Verhandlungsführung mit den Anbietern, sie funktioniert als Entscheidungsgremium für abzuschließende Verträge, übernimmt die Kontaktpflege zu den Konsorten und den Anbieter, ist zuständig für die Finanzplanung und funktioniert als Vertreter stellvertretend für das ganze Konsortium.
Das HeBIS- Konsortium verfügt über einen Erwerbungsetat der Teilnehmer von 20 Millionen Euro, die sonstige Finanzierung für den Kauf elektronischer Fachinformation erfolgt durch ein Bibliothekssonderprogramms des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, welches zentrale Mittel für das Konsortium in Höhe von 1 Million Euro bereitstellt.
Das HeBIS Konsortium verfügt über 100 Lizenzen für verschiedene Datenbanken, von diesen können ca. 50 online über das Fachinformationszentrum Karlsruhe und etwa 10 im Rahmen eines Vertrages mit dem Fachinformationszentrums Technik genutzt werden. Darüber hinaus besteht eine Lizenz für die Aufsatzdatenbank SwetsScan, die auch in den Verbundkatalog integriert ist. Neben den Verträgen für die Datenbanken bestehen auch Verträge mit 21 Verlagen für elektronische Zeitschriften. Abgesehen davon bestehen auch andere Lizenzen z. B. für Art & Data Communication (E- Learning- Reihe); New Titles Announcement Service (Blackwell Book Service); Elsevier: ScienceServer (Elsevier) und LinkSolver (OVID / SilverPlatter). Neben den Vorteilen die sich durch die Bildung von Konsortien für die einzelnen Teilnehmer bietet, werden jedoch auch Probleme aufgeworfen. Einmal stellt es zumeist ein Problem dar die Kosten für die Lizenzen gerecht und nach einem dauerhaft nutzbaren Modell umzulegen. Auch die Finanzierung der Konsortien ist über einen längeren Zeitpunkt meist unklar. Auch wenn in den meisten Verträgen, die Erhöhung der Lizenzkosten für die Vertragszeit ausgeschlossen wird, werden sich doch erhebliche Schwierigkeiten für die Konsortien ergeben wenn, zentrale Fördermittel ausbleiben oder durch Kürzungen im Etat eines Partners die Mindestfinanzausstattung gefährdet wird.
Ebenfalls zu beachten sind die Belange kleiner Spezialbibliotheken. Bibliotheken mit sehr spezifischer Fachausrichtung, deren Abnehmerkreis meist nur klein ist können keine lohnenden Konsortiallizenzen abschließen. Auch die Gründung von Fachkonsortien die sich ja gerade für Spezialbibliotheken anbieten würde, wird meistens dadurch verhindert, dass notwendige Sondermittel durch die großen Verbund- oder landesweiten Konsortien gebunden sind.

6.8 Fazit:

Können Konsortien ein Modell für Bibliotheken bezeichnet werden?
Die Antwort lautet grundsätzlich: ja. Aber unter der Voraussetzung, dass vor Bildung eines Konsortiums und natürlich vor Vertragsabschluss eine genaue Prüfung von Partnern, Finanzen und Vertragsbedingungen durch die Teilnehmer erfolgen muss. Auch zeigen Erfahrungen, dass die Gründung von Konsortien keine allgemeine Reduktion der Bibliotheksausgaben nach sich zieht. Vielmehr gilt, vor allem bei Zeitschriften, dass für einen bestimmten Aufpreis ein erheblich umfassenderes und qualitativ besseres Angebot einem breiten Publikum zur Verfügung gestellt werden kann.

7. Absprachen über Bestandsaufbau

7.1 Allgemeines

Der Kauf- bzw. Beschaffungsentscheid kann von einer Person oder als abgestimmte kooperative Erwerbung in Zusammenarbeit mit Nutzern und Kollegen, den Mitarbeitern eines Unternehmens oder bei Hochschul- und Spezialbibliotheken auch gemeinsam mit den Wissenschaftlern herbeigeführt werden.

7.2 Ziele

7.3 Beispiel: Konvergenzkonzept und kooperativer Leistungsverbund Bayern

Ein Beispiel für existierende Zusammenarbeit im Bereich Bestandsaufbau findet sich in Bayern. Dort wurde ein kooperativer Leistungsverbund mit dem Ziel ein Konvergenzkonzept zu initiieren aufgebaut Die Teilnehmer des Leistungsverbundes sind die wissenschaftlichen Hochschulbibliotheken Bayerns.
Hintergrund für die Gründung dieses Verbundes waren harte staatliche Sparmaßnahmen und vor allem die Kürzung der Haushaltsansätze und Haushaltssperren bis 24%. Die niedrigen Etats wurden zeitweise durch
Überbrückung der niedrigen Etats zeitweise durch: Hochschulsonderprogramme, inneruniversitäre Umschichtungen und Mittel der DFG überbrückt, was aber längerfristig natürlich keine befriedigende Lösungsmöglichkeit für die Betroffenen war
Die Ziele des Leistungsverbundes sind vorrangig die Kosten des Bestandsaufbaus für alle Teilnehmer zu senken und gleichzeitig die Literatur- und Informationsversorgung zu verbessern. Dies bedeutet dass knappe Ressourcen effizienter und für Nutzer vorteilhafter eingesetzt werden sollen und dafür vor allem der Einsatz moderner Informations- und Medientechnologien ausgebaut werden soll.
Der Leistungsverbund erarbeitete mehrere Konzepte zur Durchführung der Ziele:
  1. Vom Bestands- zum versorgungsorientierten Bestandskonzept
    Ziel dieses Konzeptteils ist die Verbesserung der Kooperation unter den bayrischen Hochschulbibliotheken. Dafür nötig was vor allem der (Online-) Nachweis der kompletten Bibliotheksbestände und zwar für die Verbundsebene optimiert um den bestmöglichen Austausch zu gewährleisten. Weiterhin sollen benutzerfreundliche Online- Bestell- und Lieferinstrumenten initiiert werden und die Kooperation mit anderen Verbünden z. B. mit dem HBZ- NRW soll verbessert und ausgebaut werden.
  2. Verzicht auf eine autarke Literatur- und Informationsversorgung der Hochschulen
    Die Erwerbung der einzelnen Hochschulen soll Bayernweit kooperativ abgestimmt werden, dadurch wird ein breites landesweites Titelspektrum ermöglicht. Ein weiterer wichtiger Punkt stellt die Koordinierung und Absprache bei der Anschaffung teurer Zeitschriften und Monographien dar, um den Abbau von Dubletten z.B. innerhalb einer Hochschule zu fördern.

7.4 Beispiel UB Freiburg

Die Universität in Freiburg ist als zweischichtiges Bibliothekssystem strukturiert. Bei dieser Organisationsform ist es besonders wichtig die Kooperation zwischen der Universitätsbibliothek und den einzelnen Institutsbibliotheken zu verbessern. Im Bezug auf die Absprachen über den Bestandsaufbau gibt es in Freiburg Erwerbungsabsprachen mit den entsprechenden Vertretern der dezentralen Einrichtungen innerhalb der Universität. Die Fachreferentinnen und Fachreferenten der Universitätsbibliothek spielen eine wichtige Rolle bei dem gezielten, kompetenten Bestandsaufbau in der ganzen Universität, sie halten vielfältigen Erwerbungsabsprachen mit den entsprechenden Vertretern der dezentralen Einrichtungen ab, um einen weitgehenden Überblick über den Monographienzugang der einzelnen Fächer in der Universität zu erhalten. Diese Absprachen werden in regelmäßigen Kaufsitzungen durchgeführt, bei denen Semesterweise z. B. Festlegungen von Schwerpunkten oder punktuelle Absprachen teurer Werke beschlossen werden.
Schwerpunkte, die gesetzt wurden, sind beispielsweise für die Universitätsbibliothek: Erwerbungen zur Kunst des 20. Jahrhunderts, Ausstellungskataloge, Faksimiles mittelalterliche Handschriften. Der Erwerb von spezieller Literatur z. B. kunsthistorische Literatur wird auch durch den Bedarf der Nachbardisziplinen bestimmt (Geschichte, Landesgeschichte, Philologien, Musikwissenschaft) und begrenzt.

7.5 Beispiel Kreis Warendorf - Bibliotheken ans Netz im Kreis Warendorf

Mit diesem Pilotprojekt wollen die Büchereien des Kreises Warendorf ihren aktiven Anteil an der Etablierung und dem effektiven Einsatz der modernen Kommunikationstechnologien auch im ländlichen Raum leisten.
Das Projekt des Kreises Warendorf verfolgt zwei Zielsetzungen. Zum ersten die Optimierung des Kundenservice durch Vergrößerung des Angebotes an Medien und öffentlichen Zugängen ans Internet, vereinfachte Nutzung des Angebotes verschiedenster Büchereien unterschiedlicher Träger in einem Stadtgebiet und
Unterstützung bei der Nutzung der Neuen Medien und Orientierungshilfe in der Informationsflut der Internetressourcen.
Zum anderen sollen Kooperationsmöglichkeiten der Büchereien untereinander optimiert werden. Kostenersparnis soll vor allem eine gemeinsame Einkaufspolitik z.B. über Medien und Verbrauchsmaterialien, Absprachen bei Bestandsaufbau, Veranstaltungen, Fortbildungen und Erfahrungsaustausch und gegenseitige Unterstützung per e- Mail ausgebaut werden.
Zur Durchführung des Projektes werden 5 Oberzentren gegründet.
Zunächst werden 5 Stadtverbünde gebildet (Ahlen, Beckum, Oelde, Telgte, Warendorf) in denen die jeweilige Stadtbücherei die Funktion eines Oberzentrums für den eigenen Stadtverbund übernimmt.
Zu den Aufgaben der Oberzentren gehören die Leistung besondere Betreuung für den Stadtverbund mit Hilfe einer besonderen technischen Ausstattung und Schulung des Personals. Der Betriebsservers des Stadtverbundes, der die Arbeiten aller Büchereien des Stadtverbundes zentral verwaltet, wird vom Oberzentrum betreut, ebenso werden auf einem zusätzlichen CD-ROM-Server CD-ROM-Datenbanken. Die Oberzentren übernehmen die Pflege von Links auf andere Bildungsträger des jeweiligen Ortes, Veranstaltungshinweise und Auswahllisten zu aktuellen Themen.
und sind für die Pflege und Betreuung der Software des Stadtverbundes zuständig.
Die fünf Betriebsserver der Stadtverbünde sind online mit einem zentralen kreisweiten Server verbunden, der bei der Kommunalen Datenverarbeitungszentrale (KDZ) in Münster steht. Über diesen zentralen Server sind interne Bestandsabfragen über alle Stadtverbünde möglich, um z.B. Katalogdaten beim Bestandsaufbau oder der Medienersterfassung aus anderen Stadtverbünden zu übernehmen. Gleichzeitig dient er als Server für den geplanten kreisweiten www-OPAC, der im Stadt- und Kreisverbund Selbstbedienungsfunktionen für angemeldete Kunden ermöglicht.

8. Weitere Beispiele

8.1 Outsourcing

Eine weitere Variante des Ressourcen- Sharing, die sich für immer mehr Bibliotheken als Alternative anbietet, ist das so genannte Outsourcing. Übersetzt bedeutet dieser Begriff, dass Dienstleistungen, die ursprünglich in der eigenen Einrichtung erstellt wurden, von Dritten eingekauft werden. Im Vordergrund bei dieser Maßnahme steht natürlich, den eigenen Betrieb so wirtschaftlich und kostengünstig wie möglich arbeiten zu lassen und eventuell unrentable Bereiche auszugliedern.
So werde beispielsweise bei der Bayrischen Staatsbibliothek bei Bestellungen von französisch, englisch- und deutschsprachigen Monographien (diese aber nur soweit es Veröffentlichungen außerhalb des Buchhandels betrifft) erledigen Buchhandlungen die Akzession und die üblichen Kennzeichnungen im Buch.
Monographien aus Italien werden fast ausschließlich von einem international renommierten italienischen Dienstleister bezogen. Ähnliches wird im französischen Bereich und für andere ausgefallenere Sprachen angestrebt.
Bei den Zeitschriften sind mit der Firma Swets & Blackwell Vereinbarungen getroffen worden, demzufolge z.B. die Hefte vor der Lieferung an die Bibliothek von der Agentur auf Vollständigkeit überprüft und gegebenenfalls reklamiert werden.
Oursourcing gilt für viele Einrichtungen als überlegenswertes Instrument zur Kostenreduktion, jedoch sollten auch die Probleme beachtet werden. Vor allem Betriebe der Privatwirtschaft, die das Sparmodell "outsourcing" schon längere Zeit betreiben, beklagen, dass durch Outsourcing Fachkenntnisse verloren gehen oder dass externe Dienstleister oftmals andere Qualitätsansprüche haben.
Laut einer Studie des Beratungshauses Deloitte haben drei Viertel aller Konzerne schlechte Erfahrungen mit Outsourcing gesammelt. Beinahe die Hälfte sagte, durch die Auslagerung von Geschäftsprozessen hätten sich keine Kosteneinsparungen ergeben. Der Managementaufwand für die Unternehmen sei sogar höher als erwartet.
Outsourcing ist in keinem Fall Patentrezept für alle Einrichtungen und Bibliotheken, die sich Oursourcing als eine Variante überlegen, um ihre Kosten zu reduzieren, sollten auf jeden Fall die anfallenden Kosten, deren längerfristige Entwicklung und Einfluss auf den Etat, sowie den Managementaufwand genau prüfen.

8.2 Internationales Netzwerk Öffentlicher Bibliotheken

Das Ziel dieses Netzwerkes ist es das Internationale Know-How zusammenzuführen und den Erfahrungsaustausch unter Fachleuten im öffentlichen Bibliothekswesen zu stärken. Zukunftsorientierte Modelllösungen werden von Praktikern für Praktiker entwickelt. Es werden erfolgreiche Konzepte entwickelt und vor allem de Praxistransfer wird gefördert.
Themenschwerpunkte sind
Das Netzwerk umfasst zwei aufeinander aufbauende Bausteine: zum einen die internationale Recherche und Erarbeitung von Modelllösungen zu Themen des modernen Bibliotheksmanagements und die Implementierung der Lösungen in die Praxis, Erprobung der Praxistauglichkeit.
Die Ergebnisse werden von dem Netzwerk-Mitgliedern gemeinsam diskutiert und bewertet und anschließend von der Bertelsmann Stiftung veröffentlicht.

8.3 Deutsche Internet Bibliothek

Die Deutsche Internet Bibliothek ist das Wissensportal der Bibliotheken. Hier erhält man kostenlos, einfach und gezielt Zugang zu den besten Seiten im Web.
Ein von Fachleuten zu bestimmten Themengebieten erarbeiteter und kommentierter Linkkatalog.
Dieser wird von Fachleuten täglich aktualisiert und für Fragen steht eine E-Mail Auskunft zur Verfügung.
Über 80 öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken arbeiten an diesem Linkkatalog und der E-Mail-Auskunft mit. Die Deutsche Internetbibliothek ist ein Gemeinschaftsprojekt von Bertelsmann Stiftung und dem Deutschen Bibliotheksverband.

8.4 Fachstellen in Sachsen

Normalerweise wird Ressourcen- Sharing immer im Zusammenhang mit intelligentem Sparen und der Verbesserung der Wirtschaftlichkeit genannt.
Das folgende Beispiel zeigt unserer Meinung nach, wie Ressourcen- Sharing nicht betrieben werden soll: Der Freistaat Sachsen hat für das Jahr 2006 keine Personalstellen für die staatlichen Fachstellen vorgesehen. Das bedeutet die Schließung der drei Fachstellen mit Sitz in Chemnitz, Dresden und Leipzig. Nach zahlreichen Protesten von verschiedenen Stellen soll die Arbeit der Fachstellen nun doch fortgeführt werden und zwar soll von den drei Standorten im Augenblick nur noch einer erhalten bleiben und von den derzeit 16 Mitarbeiter/innen sollen nur sechs ihrer Arbeitsstelle behalten können.
Hier stellt sich die Frage, ob eine fachkundige Vor-Ort-Beratung, für über 600 Bibliotheken, vor allem im ländlichen Raum noch realisierbar ist?

8.5 Bertelmann Stiftung

"Wir fördern den gesellschaftlichen Wandel."
(aus dem Leitbild der Bertelsmann Stiftung)

Die Bertelsmann Stiftung arbeitet zurzeit an über hundert Projekten. oDie Projektdauer wird je nach Thema begrenzt, um so wieder Kapazitäten für neue Vorhaben frei zu machen. Ist ein Projekt erfolgreich abgeschlossen, d.h., wurde ein Lösungsvorschlag oder ein Modell entwickelt, versucht die Bertelsmann Stiftung, dieses Modell zu implementieren.
Das kann in unterschiedlicher Form geschehen. Entweder finden die Lösungsvorschläge Eingang in die entsprechenden gesellschaftlichen Bereiche, werden von Projektpartnern adaptiert oder in anderen Kooperations-Formen weiter geführt.
Es gibt auf der Homepage eine Übersicht der abgeschlossenen und aktuellen Projekte. Diese finden Sie im Projektarchiv.

8.6 BEA

Eine IST - Analyse des dt. Bibliothekswesens als Teil des Projektes "Bibliothek 2007" kam zu der Erkenntnis, dass für die Umsetzung seiner Ziele ein Optimierungsbedarf besteht.

BEA (BibliotheksEntwicklungsAgentur) hat zum Ziel die Sicherung von Effizienz und Qualität von bibliothekarischen Dienstleistungen und die konsequente und verbindliche Einbindung der Bibliotheken in das Bildungssystem. Die BEA soll als Innovationsmotor und zentrale Steuerungseinheit dienen.
Ist ein Projekt der Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände e. V. und der Bertelsmann Stiftung.


Warum ist die BEA unbedingt notwendig?

Kernaufgaben der BEA sind u. a.:

9. Fazit

Ressourcen- Sharing ist ein zukunftsorientiertes Modell, um durch Arbeitsteilung finanzielle Ressourcen effizienter einzusetzen. Notwendig für effizientes Ressourcen- Sharing ist der Ausbau von Kooperationen und der Erfahrungsaustausch. Die Entwicklung der elektronischen Medien macht eine gemeinsame Ressourcennutzung und die Kooperation zwischen den Einrichtungen einfacher.

Gerade heute, wo die Kosten immer mehr ansteigen und die Etatkürzungen immer mehr zunehmen, kann man dieser Entwicklung nur durch verstärkte Kooperation entgegen wirken.


Quellen: Links | Literatur Punkt Ressourcen-Sharing
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