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 Jasmin Reil, Eva Lenz
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             Innovative Einnahmeerzielung in Bibliotheken
 
Mögliche Einnahmequellen für Bibliotheken | Häufige alternative Einnahmequellen | Innovative Einnahmeerzielung | Vor- und Nachteile innovativer Einnahmeerzielungen | Fazit
Eine Bibliothek kann niemals kostendeckend arbeiten. Trotzdem kann sie einiges tun um ihren normalen Etat, der meist schrumpft oder stagniert, mit besonderen Aktionen etwas aufzustocken. Unser Referat "Innovative Einnahmeerzielungen in Bibliotheken" stellt einige Ideen und Beispiele vor, wie Bibliotheken zu zusätzlichen Einnahmen kommen können. Zuerst wird auf häufigere alternative Einnahmequellen eingegangen, die bereits von vielen Bibliotheken umgesetzt werden. Das Augenmerk soll dann jedoch im zweiten Teil auf außergewöhnliche Maßnahmen und Projekte zur Einnahmeerzielung liegen, die noch nicht in aller Munde sind. Schließlich wird beleuchtet, welche Vor- und Nachteile sich für die Bibliothek ergeben, wenn sie sich intensiv um Innovative Einnahmequellen bemüht.


1. Mögliche Einnahmequellen für Bibliotheken

Der Haushaltsetat, den die Bibliotheken zur Verfügung gestellt bekommen, setzt sich aus staatlichen und kommunalen Steuern zusammen. Bei der Aufteilung des Gesamtetats konkurriert die Bibliothek dabei oft mit anderen Kultureinrichtungen vor Ort um die Höhe der bewilligten Gelder.
Eine weitere wichtige Einnahmequelle für Bibliotheken stellen Gebühren dar, die für unterschiedlichste Dienstleistungen erhoben werden können (z.B. Jahresgebühren, Ausleihgebühren, Vorbestellgebühren für entliehene Medien, Gebühren zur Nutzung des Internets).

Bibliotheken haben außerdem die Möglichkeit, Dienstleistungen, die es auch auf dem freien Markt gibt, in begrenztem Rahmen anzubieten. Dieses sog. Insourcing umfasst z.B. honorarpflichtige Recherchedienste für Firmen, hauseigene Buchbindedienste, die anderen Bibliotheken oder städtischen Behörden angeboten werden können, oder die kostenpflichtige Bereitstellung von PCs und Lernsoftware in offenen Lernzentren innerhalb der Bibliothek.

Immer mehr Bibliotheken benutzen Fundraising als weitere wichtige Einnahmequelle. Durch dieses Einwerben von Drittmitteln werden zur Zeit in Deutschland allerdings nur knapp 5% des Gesamtbudgets gedeckt.

Da viele Bibliotheken sich zusätzlich durch Veranstaltungen nach außen als Kultureinrichtung präsentieren, bietet sich die Möglichkeit, durch Eintrittsgelder weitere Einnahmen zu erzielen.
Von der Regierung werden regelmäßig staatliche Fördermittel für spezielle Projekte zur Verfügung gestellt, für die Bibliotheken sich bewerben können. Auch unter den EU-Mitteln sind einige Gelder speziell für Öffentliche Bibliotheken vorgesehen, die Projekte unterstützen sollen, die die Entwicklung neuer oder die Verbesserung bestehender Dienstleistungen zum Ziel haben.


2. Häufige alternative Einnahmequellen

2.1 Buchpatenschaften

2.1.1 In wissenschaftlichen Bibliotheken

In wissenschaftlichen Bibliotheken gibt es die so genannten Buchpatenschaften schon seit längerem. Eingeführt wurden sie in Bibliotheken mit historischen Beständen, deren Etat nicht annähernd zur Restaurierung der vom Zerfall bedrohten Bücher ausreichte. Buchpate kann man werden, indem man einen bestimmten Geldbetrag spendet, der dann für die Restaurierung eines Buchs verwendet wird. Um den Spendern zu danken und einen Anreiz zur Spende zu bieten, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Beispiel: Österreichische Nationalbibliothek
Die Österreichische Nationalbibliothek besitzt viele wertvolle und bedeutende Bestände. Da der Etat bei weitem nicht für die Restaurierung dieser Bestände ausreicht, wurde 1990 die Aktion Buchpatenschaften ins Leben gerufen. 500 Euro muss man mindestens spenden, um ein Buchpate zu werden und dafür ein Exlibris, eine Ehrenurkunde und ein Dankesschreiben zu erhalten. Ab einer Spende von 3660 Euro erhält man zusätzlich die CD-ROM und ein Faksimileblatt der Gutenberg Bibel, die im Besitz der ÖNB ist. Mittlerweile hat die Bibliothek über 4000 Buchpaten, darunter viele bekannte Persönlichkeiten und Wirtschaftsunternehmen.

Für die historischen Bestände der Stadtbibliothek Trier kann man auch Patenschaften übernehmen. Hier wird die Organisation der Patenschaften von einem Förderverein übernommen, die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Trier e.V. Dies hat den Vorteil, dass die Bibliothek nicht mit der Organisation belastet wird, aber trotzdem von der Arbeit des Fördervereins profitiert. Der Förderverein der Stadtbibliothek Trier gibt interessierten Menschen oder Firmen die Möglichkeit, sich auf ihrer Homepage über die zu restaurierenden Bücher zu informieren. Man kann sich ein Buch aus einem bestimmten Sachgebiet aussuchen oder sich alle Titel anzeigen lassen. Zu jedem Titel gibt es Informationen zum Restaurierungsaufwand und es werden die voraussichtlichen Restaurierungskosten angegeben. Zu den meisten Titeln gibt es Fotos und es werden Angaben zum Buch gemacht. Die Paten werden namentlich auf der Homepage genannt.

2.1.2 In öffentlichen Bibliotheken

Mittlerweile haben auch öffentliche Bibliotheken das Prinzip der Bücherpaten für sich entdeckt. Allerdings suchen sie keine Paten zur Restaurierung von historischen Beständen, sondern sie wollen mit Hilfe von Paten ihren Bestand aufstocken um ein attraktives Angebot zu garantieren. Die Aktion heißt auch hier nicht Bücherpaten, sondern hat einprägsame Titel wie "Alle für ein Buch - ein Buch für alle" (Stadtbibliothek Esslingen) oder "Kauf mich - Bürger stiften Bücher" (Stadtbibliothek Köln). Im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Bibliotheken gibt es die Bücherpatenaktionen nur über bestimmte Zeiträume hinweg, weil sie doch einigen Arbeit in Anspruch nimmt. Die Bibliothek macht Wunschlisten von Titeln, die sie gerne in ihren Bestand aufnehmen möchte. Diese gibt sie an eine oder mehrere kooperierende Buchhandlung weiter, die diese Titel dann gesondert präsentiert. Bürger, die ihrer Bibliothek ein Buch stiften wollen, können sich die möglichen Titel so in Ruhe anschauen und sich entweder anhand des Preises oder des Titels eines aussuchen. Die Buchhandlung lässt das Buch dann der Bibliothek zukommen. Für den Kauf bekommt der Spender eine Quittung, die von der Steuer absetzbar ist und auf Wunsch wird er namentlich mit einem Exlibris im Buch erwähnt. Zudem gibt es oft die Möglichkeit, dieses Buch als erster auszuleihen.

Auch die Stadtbibliothek Bielefeld hat zu ihrem 100. Geburtstag eine Bücherpaten-Aktion unter dem Motto "Wollen Sie uns eine Freude machen? Dann schenken Sie uns ein Buch zum Geburtstag" ins Leben gerufen. In der Zeit von 23.04. bis 31.05.05 konnten Kunden in mit der Bibliothek kooperierenden Buchhandlungen wie Eulenspiegel, Klack oder Struppe & Winckler auf Büchertischen präsentierte Bücher für die Stadtbibliothek kaufen. Die Buchgeschenke erhielten jeweils eine individuelle Widmung mit dem Namen des Spenders.

Für Kunden, die keine Zeit hatten, selbst in einer Buchhandlung vorbeizuschauen, die Stadtbibliothek aber gerne mit einem Buchgeschenk unterstützen wollten, gab es den besonderen Service der Buchspendenkarte. Darauf konnten die Kunden neben ihrer Bankverbindung und Adresse vermerken, in welchem Wert ein Buch angeschafft werden sollte und wie sie in der Widmung erwähnt werden wollten. Ein entsprechendes Buch wurde von der Stadtbibliothek angeschafft und die Kunden darüber informiert, welches Buch in ihrem Namen gekauft worden war. Die Buchspendenkarten konnten die Bibliotheksbenutzer in der Zentralbibliothek oder den Filialen ausfüllen oder sich als pdf-Dokument im Internet ausdrucken.

Das Ziel dieser Bücherpaten-Aktion war die Benutzer zu mehr Engagement für ihre Bibliothek zu motivieren und bestehende Bestandslücken zu schließen.

Buchspendenkarte

Ein ähnliches Beispiel gibt es in Kanada: Unter dem Motto "Adoptiere eine Zeitschrift!" bezahlt der Spender die Kosten für das Jahresabonnement einer Zeitschrift im Voraus und erhält eine Spendenbescheinigung.

2.2 Bestseller Service

Der Bestseller Service wird mittlerweile auch schon in vielen öffentlichen Bibliotheken angeboten. Er stellt neben seinem eigentlichen Serviceaspekt auch eine weitere Einnahmequelle dar. Wenn das Angebot einmal funktioniert, läuft dieser Service quasi nebenher: Die Bibliothek erhält regelmäßig von einer kooperierenden Buchhandlung oder der EKZ die aktuellen Bestseller und arbeitet diese so schnell wie möglich ein um ein topaktuelles Angebot zu garantieren. Die Medien werden je nach Größe der Bibliothek gestaffelt gekauft, damit möglichst immer jedes Exemplar in der Bibliothek verfügbar ist. Die Präsentation spielt bei dem Bestsellerservice eine große Rolle: Die Medien sollten ähnlich wie im Buchhandel und gut sichtbar im Eingangsbereich präsentiert werden. (Beispiel für eine gelungene Bestsellerpräsentation: Hamburger Öffentliche Bücherhallen). Die Exemplare können dann gegen Gebühr und meist für eine verkürzte Leihfrist entliehen werden. Zudem wird ein Exemplar zu den normalen Ausleihbedingungen in den Bestand eingearbeitet.

Viele Menschen sind gerne bereit, für einen solchen Service Geld zu bezahlen, da sie bei der Ausleihe von Bestsellern keine mehrwöchigen Wartezeiten in Kauf nehmen wollen und den Bestseller auch nicht im Buchhandel käuflich erwerben möchten, ihn aber trotzdem gerne lesen würden. Nach mehrmaliger Ausleihe sind die Kosten des Bestsellers wieder ausgeglichen. Ist der Titel nicht mehr so gefragt, können die mehrfach vorhandenen Titel entweder an andere Zweigstellen weitergegeben werden oder auf dem Bücherflohmarkt verkauft werden.

Unter dem Motto "Leihen statt kaufen" bietet z. B. die Stadtbibliothek Bielefeld einen Bestseller-Service an. Dieser umfasst die SPIEGEL-Bestseller Belletristik und Sachücher, Hörbücher, die SWR-Bestenliste sowie eine hauseigene Zusammenstellung von zwanzig Spielfilmen auf DVD, die nach den verschiedenen Bestenlisten des Handels (z. B. "stern"- Charts, "Cinema") zusammengestellt ist. Bestseller, die montags auf der SPIEGEL-Bestsellerliste stehen, stehen dienstags im Angebot der Zentralbibliothek (jeder Bestseller in drei Exemplaren) und mittwochs in den Stadtteilbibliotheken ( jeweils ein Exemplar) zur Verfügung. Bei Belletristik-Bestsellern betreigt die Leihdauer vier Wochen, bei Hörbüchern und DVDs eine Woche. Die für diesen Service zu zahlende Gebühr beträgt jeweils zwei Euro.

Neu hinzugekommen ist der Bestseller-Service für Rock-Pop-Bestseller-CDs und die Audio-Bestenliste - hochwertige CDs mit Jazz, Kammermusik, Operette, Oper, Barockmusik oder zeitgenössischer Musik ausgewählt von renommierten Musikkritikern. Alle CDs sind für eine Gebühr von zwei Euro eine Woche entleihbar.

Die SWR-Bestenliste, die auch in den Bestseller-Service aufgenommen ist, besteht seit 1975.
Monatlich nennen dabei 34 renommierte Literaturkritiker und -kritikerinnen in freier Auswahl je vier Buchneuerscheinungen, denen sie möglichst viele Leser und Leserinnen wünschen und vergeben an sie sieben, fünf, drei und einen Punkt. Die zehn Bücher mit der höchsten Punktzahl kommen auf die Liste. Die aktuellen Bestsellerlisten können jeweils über einen Link von der Homepage der Stadtbibliothek Bielefeld aus angesehen werden.

Die in der Stadtbibliothek vorgehaltenen Bestseller-Medien werden monatlich aktualisiert; die Gebühren für den Bestseller-Service werden in neue Bestseller investiert. Es lässt sich sagen, dass der Service sich rentiert, refinanziert und als kostenpflichtiges Angebot etabliert hat.

Zum Bestseller-Service der Stadtbibliothek Bielefeld

Auch in den Hamburger Öffentlichen Bücherhallen wird ein Bestseller-Service angeboten. In der Zentralbibliothek und in siebzehn Stadtteilbibliotheken sind aktuelle Titel für 2,50 Euro für vierzehn Tage ohne Wartezeit entleihbar. Dieser Service umfasst die Plätze 1-20 der Belletristik- und Sachbuchtitel der SPIEGEL-Bestsellerliste in der Zentralbibliothek bzw. die Plätze 1-10 in den Stadtteilbibliotheken. Die Bücher werden in einer Stückzahl zwischen drei und zwölf Exemplaren auf einem seperaten Tisch im Eingangsbereich präsentiert. Titel können nicht verlängert oder vorbestellt werden und die Rückgabe muss in der jeweiligen Ausleihbibliothek erfolgen. Das Angebot soll sich möglichst selbst finanzieren.

2.3 Vermieten von Räumlichkeiten

Einige Bibliotheken verfügen auch über die Möglichkeit, eigene Veranstaltungsräume für Vorträge oder Veranstaltungen zu vermieten. Die Räumlichkeiten sollten im Idealfall getrennt zur eigentlichen Bibliothek erreichbar sein. Möglicherweise muss Garderobenpersonal oder eine Aufsichtsperson mitgebucht werden.

In der Stadtbücherei in Würzburg kann beispielsweise der Max-Dauthendey-Saal für Veranstaltungen gemietet werden. Der Saal ist 60 m² groß und bietet Platz für 80 Stühle oder 46 Stühle an Tischen. Zu mieten ist er einen halben Tag bis 18.00 Uhr, einen halben Tag ab 18.00 Uhr, einen Tag von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr oder zwei Tage. Nach Absprache werden auch technisches Equipment wie Overheadprojektor oder Videobeamer sowie Küchenausstattung zur Verfügung gestellt. Eine Reservierung des Saales ist per Telefon oder über Internet möglich.

Zum Max-Dauthendey-Saal der Stadtbücherei Würzburg

2.4 Bücherflohmärkte

Bücherflohmärkte bieten Bibliotheken die Möglichkeit, Büchern auszusondern und gleichzeitig noch Einnahmen zu erzielen.
Der Bücherflohmarkt der Stadtbücherei Würzburg beispielsweise findet dreimal im Jahr statt. Durchgeführt wird er von freiwilligen Helfern, die im Max-Dauthendey-Saal ausgesonderte Bücher der Stadtbücherei Würzburg sowie Bücher aus dem Privatbesitz der Nutzer verkaufen. Die so erzielten Einnahmen betragen jährlich max. 1500 Euro.

2.5 Internetkurse in der Bibliothek

Viele Bibliotheken verfügen über die nötige Hardware sowie Recherchespezialisten, um kostenpflichtige Internetkurse in ihrer Einrichtung anzubieten.

Internetschulungen der Stadtbibliothek Köln:
Die Stadtbibliothek Köln bieten fünf verschiedene Schulungen für unterschiedliche Zielgruppen an: Einsteiger, Fortgeschrittene, Kinder und Senioren. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit für Gruppen, Schulungen zu erhalten, die speziell auf ihre Interessen oder die Berufsgruppe abgestimmt ist, zu erhalten. Die Kurse werden in kleinen Gruppen von 5-8 Personen gehalten und kosten für Erwachsene mit Büchereikarte um die 20 Euro. Eine Schulung dauert ca 2,5 Stunden, der Seniorenkurs dauert 4 Stunden.

Auch in Würzburg werden kostenpflichtige Internetkurse angeboten wie z.B. der Internet-Grundkurs, der jeden ersten Freitag im Monat von 16.00 Uhr bis 18.00 Uhr stattfindet und vier Euro kostet. Am sog. Internauten-Kurs, der Kinder mit Suchmaschinen, E-Mail sowie Internetseiten für Kinder vertraut macht, können Kinder von acht bis elf Jahren für zwei Euro teilnehmen.

3. Innovative Einnahmeerzielung

Bei unserer Recherche nach innovativen Einnahmeerzielungen sind wir auf einige Einnahmemöglichkeiten gestoßen, die aus den sonstigen Angeboten herausstechen und noch nicht so bekannt sind beziehungsweise noch nicht von vielen Bibliotheken angewandt werden.

3.1 Förderaktien

Förderaktie der Stadtbibliothek Köln

Es besteht die Möglichkeit, Aktien im Wert von 10, 50, 200, 500. 2.000, oder 20.000 Euro zu erwerben. Mit dem Kauf einer Aktie wird man automatisch "Bibliokölner" und erhält, wie bei richtigen Aktien auch, Dividenden, die von der Höhe des Aktienwertes abhängen. Bei einer 10 Euro Aktien ist dies ein Lesezeichen, bei einer 20.000 Aktie eine Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit für den Spender und seine Familie. Zudem bekommt man eine Spendenquittung. Der Spender kann sich aussuchen, ob mit seiner Spende die Zentralbibliothek, die Zweigstellen oder Projekte der Leseförderung unterstützt werden sollen. Die Aktien kann man auch verschenken.

Bei der Stadtbücherei Würzburg gibt es ein ähnliches Angebot: die VIP-Förderaktie. Unter dem Motto "Werden Sie Bibliotheksaktionär!" können verschiedenen Aktienvarianten erworben werden, bei deren Kauf den Käufern unterschiedliche Dividenden gewährt werden. Beim Kauf einer Aktie ab 500 Euro bekommt der Käufer u. a. eine fünfjährige Ehrenmitgliedschaft und freien Eintritt sowie eine exklusive Einladung zu Veranstaltungen. Beim Kauf einer Firmenaktie ab 5000 Euro erhält die Firma Gutscheine für Jahresmitgliedskarten für Kunden und Mitarbeiter der Firma, Freikarten für ausgewählte Veranstaltungen, ein Meet & Greet mit prominenten Gästen in der Bibliothek und der Max-Dauthendey-Saal wird für eine Firmenveranstaltung kostenlos zur Verfügung gestellt.
Der Käufer einer Aktie erhält eine Förderaktie mit Namen sowie eine Spendenquittung; der Aktienkauf hat jedoch eher symbolischen als materiellen Charakter. Seit Beginn der Aktion wurden fünf Aktien für 500 Euro und drei Aktien für 100 Euro gekauft.

3.2 Bücherverkauf bei Amazon

In Großbritannien besteht eine Vereinbarung zwischen der britischen Software-Firma Talis und Amazon.co.uk, dass Bibliotheken ihre ausgesonderten Bücher über den Marktplatz von Amazon verkaufen können.

Talis ist marktführender Anbieter von Produkten und Dienstleistungen (vorrangig Bibliotheksmanagementsysteme) für Öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken in Großbritannien und Irland. Gegründet wurde die Firma 1969 als BLCMP (= Birmingham Libraries Co-operative Mechanisation Project) Library Services Ltd.; in der heutigen Form besteht sie seit April 1999. Zu ihren Kunden zählen zahlreiche Universitäten, Colleges und Public Libraries, wobei Talis die enge Zusammenarbeit mit den Bibliotheken, denen sie ihre Produkte verkauft, sehr wichtig ist.

Amazon ist ein führender Online-Buchhandel, der Millionen von neuen und gebrauchten Produkten in verschiedenen Kategorien wie z. B. Bücher, Musik, DVD, Video oder Software anbietet. Der Online-Buchhändler verfügt über sieben Websites weltweit in USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Kanada, Japan und China.

Durch eine speziell von Talis entwickelte Software können Bibliotheken von ihrem regionalen Bibliothekssystem über eine Schnittstelle direkt auf den Marktplatz von Amazon gelangen, wo neue und gebrauchte Medien angeboten und gekauft werden können. Die Software ermöglicht Bibliotheken das Aussuchen der Bücher, das Versehen mit einem Preis sowie das Verkaufen. Über Web Services von Amazon.co.uk können zusätzlich die Marktdaten der Bücher durch die Bibliotheken ermittelt werden wie z. B. die Anzahl gleicher Titel oder ein Ranking der Verkäufe. Dazu muss der Barcode der Bücher eingescannt werden. Nachdem aufgrund der Analyse eine endgültige Entscheidung getroffen wurde, welche Bücher angeboten werden, werden deren Daten von der Software geladen und an Amazon gesendet.

Der Erlös, den Bibliotheken durch den Bücherverkauf erzielen, soll für den Kauf neuer Bücher verwendet werden; Kunden von Amazon sollen aus größerer Buchauswahl aussuchen können und von den günstigen Preisen profitieren.

Die Bibliothek East Renfrewshire Council führte von September bis Dezember 2004 einen Pilotversuch mit der entsprechenden Software durch und bot in diesem Zusammenhang 500 Buchtitel über Amazon.co.uk an. Dabei handelte es sich um 50 % fiktionale Literatur und 50 % Sachbücher. Angaben über die tatsächlich verkauften Bücher liegen nicht vor.

Kommentare der beteiligten Partner:

Kommentare: http://www.talis.com/news/events/pdfs/01_05_amazon.pdf

Am 21.06.2005 fand ein Talis-Workshop für Bibliotheken, die gerne ihre gebrauchten Bücher bei Amazon verkaufen möchten, statt. Die Inhalte des Workshops umfassten Themen wie Bestandsmanagement, Software-Voraussetzungen, Anwendung der Software von Talis und Erfahrungen der Bibliothek East Renfrewshire Council. Ein Vertreter von Amazon erklärte, was man als Verkäufer beachten muss.

3.3 Bücherlieferdienste

Es gibt auch Bibliotheken, die einen Bücherlieferdienst als Service für nichtmobile Menschen anbieten. Gegen eine Liefergebühr werden die gewünschten Medien entweder von einem eigenen Lieferant oder auf dem Postweg bis vor die Haustür gebracht. Es gelten die normalen Ausleihbedingungen: gültiger Bibliotheksausweis, eventuelle Ausleihgebühren etc.

Die Stadtbibliothek Köln bietet einen solchen Lieferdienst an. Man kann per Telefon, Internet, Fax oder www-Formular alle Medien bestellen, die in der Zentralbibliothek verfügbar sind. Geliefert wird nur innerhalb des Kölner Stadtgebiets mit einem eigenen Fahrer. Die Gebühr pro Lieferung beträgt 4 Euro, unabhängig davon, wie viele Medien geliefert werden. Mit den Kosten wird das Benutzerkonto belastet. Über die Rückgabe muss man sich selber kümmern, kann aber wieder den Service des Fahrers in Anspruch nehmen.


Der Lieferservice der Stadtbücherei Würzburg wird in Zusammenarbeit mit dem Kurierdienst angeboten. Bibliotheksbenutzer geben dabei ihre Leserausweis-Nummer, den/die Verfasser und den / die Titel des Buches/der Bücher, das/die sie leihen wollen sowie ihre Lieferadresse an. Die Lieferung wird am selben Tag bei der Post aufgegeben. Die Zahlung der Portokosten ist beim nächsten Büchereibesuch möglich; die Rückgabe der Medien kann auch über den Postweg erfolgen. Dieser zusätzliche Service wird jedoch kaum genutzt, da die Kosten relativ hoch sind: max. fünf Anfragen pro Jahr!

3.4 Recherchedienste

Da Bibliothekare ja Informationsspezialisten sind liegt es eigentlich nahe, einen Recherchedienst anzubieten und für diesen besonderen Service Geld zu nehmen. Viele professionelle private Rechercheanbieter machen nichts anderes. Große Bibliotheken haben oft einige Datenbanken abonniert, in deren Beständen die Bibliothekare recherchieren können. Außerdem verfügen sie fundiertes Wissen über die Informationslandschaft in Deutschland. Zudem sind sie Rechercheprofis im Internet und kennen sich in ihren eigenen Beständen bestens aus. Die Recherchen können von Privatpersonen oder auch von Firmen in Anspruch genommen werden. Die Recherchen sind immer individuell auf die Anfragen abgestimmt und die Ergebnisse werden benutzerfreundlich aufbereitet. Die Kosten für einen Rechercheauftrag kann nach Pauschale, Zeitaufwand, Rechercheumfang, Datenbankkosten oder Dokumentenkosten berechnet werden. Eine Bibliothek kann diese Recherchedienste jedoch nicht in allzu großem Unfang anbieten, da es sonst Probleme mit den privaten Rechercheanbietern gibt.

Die Stadtbibliothek Stuttgart mit ihrem Rechercheservice "Recherche à la carte" recherchiert z.B. nach Firmenprofilen, nach Artikeln oder nach Themen. Ein Firmenprofil z.B. kostet 5 Euro, dazu kommen Dokumentenkosten. Das Rechercheergebnis kann man einen Werktag nach Anfrage an der Infotheke abholen.
Rechercheaufträge können vor Ort oder übers Telefon getätigt werden.

Die Stadtbibliothek Köln recherchiert nach Themen aller Art. Zudem gibt es ein Bewerber-Special (Firmenprofil, aktuelle Artikel über Firma/Branche, Bewerberhandbuch) für 7,50 Euro und ein Presse-Special (aktuelle Zeitungsartikel im Volltext) für 2,50 Euro pro Artikel. Bei der Themenrecherche werden pro Recherche und angefangene halbe Stunde 15 Euro berechnet. Über die Kosten für die Recherche wird man vorher informiert. Recherchieren lassen können auch Leute ohne Bibliotheksausweis, die Recherche ist dann aber teurer. Die Ergebnisse werden innerhalb von zwei Werktagen entweder mit dem hauseigenen Lieferdienst geliefert oder per E-Mail geschickt.

Recherche-Auftragsformular

3.5 Bücherversteigerung

Im Oktober 1992 fand in der Reno Central Library in Nevada/USA eine Versteigerung mit einem professionellen Auktionator statt. Die versteigerten Artikel wurden von zahlreichen Einzelpersonen und Organisationen gestiftet und zu literarischen Themenkörben zusammengestellt. Der Themenkorb "Midsummer Night's Dream" enthielt z. B. vier Karten für das Utah Shakespeare Festival, einen englischen Teetopf aus Keramik und ein Buch über Tee.

3.6 Anschaffungsvorschlag

Bei der Stadtbücherei Würzburg können Leser einen Anschaffungsvorschlag zu einem bestimmten Thema machen. Dazu gibt es ein spezielles E-Mail Formular im Internet, das die Nutzer ausfüllen können. Das vorgeschlagene Buch wird von der Stadtbücherei noch am selben Tag bestellt und bei der Einarbeitung bevorzugt, so dass der Leser es meist schon nach 1-2 Tagen erhält. Die Bearbeitungsgebühr beträgt 0,70 Euro. Der Leserwunsch ermöglicht der Stadtbücherei einen kundenorientierten Bestandsaufbau und sichert eine hohe Aktualität des Bestandes. Von diesem Service wird mehrmals täglich Gebrauch gemacht, im Jahr sind es ca. 1800 Leserwünsche. Die Bearbeitungsgebühr für den Leserwunsch erbringt ca. 1500 Euro /Jahr.

3.7 Literaturcard

Ein weiteres Angebot der Stadtbücherei Würzburg ist die Literaturcard, die von Benutzern vor einer Veranstaltung erworben werden kann. Dadurch werden ihnen verschiedene Vorteile gesichert, wie z.B. ein Freigetränk bei einer Lesung, Hintergrundinfos über Autoren oder eine bevorzugte Sitzplatzreservierung.

3.8 Spendenbox Online

Die Universitätsbibliothek Konstanz leidet unter einem permanenten Kaufkraftverlust da die Preise für Monographien und Zeitschriften steigen und der Etat stagniert. Im Jahr 2002 verfügte die Bibliothek nur noch über 41,4% bei Zeitschriften und nur noch über 65,8% bei Monographien der Kaufkraft von 1991. Zahlreiche Einschränkungen beim Personal mussten hingenommen werden, die Anzahl der Bände und Zeitschriftenabonnements, v. a. im Bereich Naturwissenschaften musste immer weiter reduziert werden. Durch diese Etateinschränkungen kann die Bibliothek ihrem Auftrag der Literaturversorgung immer weniger nachkommen. Aus diesem Grund wurde 2004 eine Spendenbox eingerichtet, deren Erlös ausschließlich zum Kauf von Büchern und Zeitschriften verwendet wird. Spenden kann man über PayPal, den weltweiten Online-Zahlungsservice von Ebay. Spenden können per Überweisung oder Kreditkarte empfangen werden; die Bibliothek erhält eine E-Mail, sobald eine neue Spende eingegangen ist. Zur Spendenbox gelangt man über einen Button auf der Website der UB Konstanz.

Spendenaufruf des Leitenden Bibliotheksdirektors Dr. Klaus Franken

Resultat: Die Einnahmen der Spendenbox Online betragen seit Einführung jedoch nur 100 Euro. Nach Einschätzung des Leitenden Bibliotheksdirektors Dr. Klaus Franken scheuen potenzielle Spender davor zurück, online zu spenden, weil sie zu wenig Erfahrung mit Online-Banking haben. Die Online-Spendenbox hat sich daher nicht bewährt. Im Gegensatz dazu kamen bei den Spendenboxen im Foyer der Bibliothek seit Januar 2005 800 Euro zusammen.

Übersicht über eingegangene Spenden der Spendenboxen
Spendenformular

3.9 Benutzeraktionen

Unter dem Motto "Bücher statt Süßigkeiten" startete die Burkarder Volksschule eine Aktion für die Stadtbücherei Würzburg. Grundschüler der Klassen 1-4 verzichteten während der Fastenzeit auf Süßigkeiten, sammelten sie und überreichten sie körbeweise der Bibliotheksleiterin Hannelore Vogt. Der Verkaufserlös der Süßigkeiten wurde zum Kauf neuer Bücher für die Kinder- und Jugendbücherei verwendet. Zitate: http://www.wuerzburg.de/buerger/kultur/buecherei/kibue/282,5456.html

Unter dem Motto "Bechern für die BIB" führte die Fachschaft Jura der Universität Konstanz für die Universitätsbibliothek im Dezember 2004 eine Aktion durch. Studenten verkauften an mehreren Tagen während der Mittagspause im Eingangsbereich der Bibliothek Glühwein und nahmen dabei 400,43 Euro ein. Die Bibliothek war überrascht von dieser Aktion und freute sich sehr darüber. Die Einnahmen wurden komplett für Neuerwerbungen verwendet.
Die zweite Aktion der Fachschaft Jura war eine für den 01.06.05 organisierte Party, bei der 20 % des Erlöses an die Universitätsbibliothek gehen sollen. Es liegen jedoch noch keine Informationen über die Höhe der Einnahmen vor.

Artikel zur Aktion "Bechern für die BIB" in "Bibliothek aktuell" Heft 82 (6/05), S. 28f.

3.10 Verleih von Klassensätzen

Bei der Stadtbücherei Würzburg können Klassensätze eines bestimmten Titels für die Klassenstufen 1-8 gegen eine Gebühr von einem Euro pro Buch von Schulklassen entliehen werden. Oft sind den Klassensätzen noch Lehrmaterialien beigefügt. Die Dauer der Ausleihe kann individuell festgelegt werden; der Service wird sehr stark genutzt.

Zu den angebotenen Klassensätzen

4. Vor- und Nachteile innovativer Einnahmeerzielungen

Durch die Verwaltungsreform wird es immer mehr kommunalen Einrichtungen möglich, wirtschaftlicher zu arbeiten. Gelder, die sie selber einnehmen, können sie auch selbst behalten und für eigene Zwecke wieder ausgeben. Die Haushaltsposten sind gegenseitig deckungsfähig und Beträge können leichter ins nächste Haushaltsjahr übernommen werden. Dies eröffnet ganz neue Spielräume für Bibliotheken bei ihren Einnahmeerzielungen.

Vortrag von Dr. Horst Neißer (Direktor der Stadtbibliothek Köln) über Neue Dienstleistungen und Unternehmenskonzepte in den deutschen Öffentlichen Bibliotheken


4.1 Vorteile

Die meisten Projekte, durch die die Bibliothek Einnahmen erzielt, wirken sich durch die Präsenz in der Presse oder durch einprägsame Titel Imagebildend für die Bibliothek aus. Sie kann sich mit interessanten Aktionen als moderne und lebendige Einrichtung präsentieren und wird dadurch von der Bevölkerung, aber auch, was vor allem wichtig für die weiteren Etatvergaben ist, von der Stadtverwaltung als wichtige und innovative Einrichtung anerkannt. Dieser Imagegewinn wirkt gleichzeitig als effiziente Werbung für die Bibliothek.

Durch Sammel- bzw. Spendenaktionen, wie die Spendenbox der UB Konstanz, wird bei den Leuten ein Bewusstsein für die schlechte Finanzlage in Bibliotheken geschaffen. Die Notwendigkeit für finanzielle Hilfe wird erkannt und die Leute sind vielleicht eher bereit, Geld für die Bibliothek auszugeben, sei es für einen eigenen Leseausweis oder für Medienleihgebühren.
Alles in allem sind Bibliotheksbenutzer gerne bereit, für besondere Dienstleistungen wie dem Bestsellerservice, auch Geld zu bezahlen, da geringe Gebühren für die Leute auch ein Zeichen für Qualität gesehen werden.

Da viele Serviceangebote sehr kundenorientiert sind, wird durch sie eine Kundenbindung erwirkt. Durch entsprechende Titel für Aktionen, wie "Werden Sie Bibliokölner" für die Förderaktie der Stadtbibliothek Köln wird eine Identifizierung des Nutzers mit seiner Stadtbibliothek erreicht. Genauso verhält es sich mit den Buchpatenschaften in öffentlichen Bibliotheken. Nutzer, die namentlich mit einem Exlibris in einem Buch erscheinen, fühlen sich direkt mit ihrer Bibliothek verbunden.


4.2 Nachteile innovativer Einnahmeerzielung

Die Entwicklung und Durchführung von innovativen Konzepten ist meist zeit- und arbeitsintensiv. Daher wird häufig deren Organisation Fördervereinen übertragen wie z. B. die Bücherpatenschaften der historischen Bestände der Stadtbibliothek Trier. Darüber hinaus sind auch steuerrechtliche Rahmenbedingungen zu beachten: nur Einnahmen bis 30.000 Euro sind steuerfrei. Von Bibliothekaren wird ständige Flexibilität, Kreativität und Innovationsfähigkeit gefordert, obwohl die erzielten Einnahmen oft nur ein Tropfen auf den heißen Stein und keine langfristige Hilfe sind.


4.3 Fazit

Durch innovative Konzepte gewonnene Einnahmen ergänzen das Budget, können jedoch dauerhaft Etatdefizite nicht ausgleichen und so den kontinuierlichen Bestandsaufbau sichern!


Quellen: Links | Literatur Punkt Innovative Ideen
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