Inhalt des Virtuellen Handbuchs
Technische Hinweise
Literaturliste
Linkliste
Wir über uns
Schreiben Sie uns!
Hundertwasser
Gästebuch
Impressum
Startseite
Haushaltskonsolidierung
in
Bibliotheken
 Kai Scheuing
Neues zum Thema Neues zum Thema  |  Beitrag Als PDF  Beitrag als PDF |  Beitrag als PPT Beitrag als PPT
             Bestandsufnahme der finanziellen Situation der Bibliotheken - Deutschland und international
 
Die Finanzsituation der Bibliotheken im internationalen Vergleich |
Die Finanzsituation der Bibliotheken in Deutschland |
Die Finanzsituation der Bibliotheken international |
Schlussgedanken: Probleme des deutschen Bibliohtekswesens



Es wird die finanzielle Situation der Bibliotheken in ausgewählten Bundesländern (Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg) und in Deutschland dargestellt; um diese mit anderen Nationen zu vergleichen, werden die Bibliotheksnetze von Finnland, den USA, Frankreich und Großbritannien aufgezeigt.





1. Die Finanzsituation der Bibliothek im internationalen Vergleich



Abbildung 1: Erwerbungsausgaben pro Einwohner und Jahr
( Bibliothek 2007: Internationale Best-Practice-Recherche.
Hrsg. Bertelsmann Stiftung und DBV, 2004)


2. Die Finanzsituation der Bibliotheken in Deutschland

In Deutschland sind die Ausgaben der Bibliotheken im neuen Jahrtausend weiter angestiegen. Zwischen 1999 und 2003 gab es einen Anstieg der Ausgaben von 645 Mio. EUR auf 684 Mio. EUR. (http://www.bibliotheksstatistik.de)

Die Erwerbungsetats der Bibliotheken dagegen sinken, zwischen 1999 und 2003 von 74 Mio. EUR auf 69 Mio. EUR. Viele Bibliotheken sind deshalb dazu übergegangen, die Zahl der Neuerwerbungen zu senken. Eine andere Möglichkeit, diesem Negativtrend zu begegnen, besteht darin, Neuerwerbungen preiswerter zu beschaffen, etwa durch den Kauf über Konsortien. Die Personaletats wiederum sind im genannten Zeitraum gestiegen (von 444 Mio. EUR auf 457 Mio. EUR), aber nur geringfügig. Sie folgen damit nicht der Lohnentwicklung in der freien Wirtschaft.

 

2.1 Entwicklung der Kosten für die Medienbeschaffung in Deutschland

Es zeichnen sich zwei negative gegenläufige Entwicklungen im wissenschaftlichen deutschen Bibliothekswesen ab.

Zum einen steigt die Literaturproduktion in fast allen großen Literaturmärkten der Welt (Deutschland, Großbritannien, USA etc.) weiterhin an. (http://www.klostermann.de/zeitsch/zfbb _hmp.htm)

Die jährliche Wachstumsrate beträgt 2 bis 4 %. Ein sehr viel größerer Anstieg ist bei den digitalen Publikationen zu beobachten. Das Angebot an E-Journals, die in der EZB verzeichnet sind, steigt jährlich um 30 bis 40 %, zwischen 2002 und 2003 waren es sogar 60 %. Dazu kommen extreme Preissteigerungen auf dem Literaturmarkt; bei Monographien liegen sie je nach Fachgebiet zwischen 1 und 8 %. Bei den STM-Fächern (Science, Technology, Medicine) und in den Sozialwissenschaften gab es in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts sogar jährliche Preissteigerungsraten im zweistelligen Bereich.

2.2 Die finanzielle Situation in Baden-Württemberg

Um der finanziellen Situation in Deutschland auch einzelne Bundesländer gegenüberzustellen, seien hier zwei der finanziell am besten ausgestatteten vorgestellt, nämlich das Land Baden-Württemberg und der Freistaat Bayern.
In Baden-Württemberg ist eine ähnliche Tendenz wie in Gesamtdeutschland zu verzeichnen. Die Ausgaben sind auch hier zwischen 1999 und 2003 gestiegen, und zwar von 99 Mio. EUR auf 117 Mio. EUR. Die Erwerbungsetats stagnieren, sie lagen sowohl 1999 als auch 2003 bei rund 14. Mio. EUR. Die Personaletats sind im Vergleich relativ stark angestiegen (von 59 auf 69 Mio. EUR).


2.2 Die finanzielle Situation in Baden-Württemberg

Um der finanziellen Situation in Deutschland auch einzelne Bundesländer gegenüberzustellen, seien hier zwei der finanziell am besten ausgestatteten vorgestellt, nämlich das Land Baden-Württemberg und der Freistaat Bayern.

In Baden-Württemberg ist eine ähnliche Tendenz wie in Gesamtdeutschland zu verzeichnen. Die Ausgaben sind auch hier zwischen 1999 und 2003 gestiegen, und zwar von 99 Mio. EUR auf 117 Mio. EUR. Die Erwerbungsetats stagnieren, sie lagen sowohl 1999 als auch 2003 bei rund 14. Mio. EUR. Die Personaletats sind im Vergleich relativ stark angestiegen (von 59 auf 69 Mio. EUR).

 

2.3 Die Situation der Wissenschaftlichen Bibliotheken in Bayern

Eine andere negative Entwicklung in Bayern ist die Etatsituation bei den Wissenschaftlichen Bibliotheken. In der ersten Hälfte der 90er Jahre wurde sie zunehmend schlechter. So gab es zwischen 1992 und 2002 ein jährliches Wachstum der Literaturetats der WBs von nur 0 bis 6 %.

Aufgrund harter staatlicher Sparmaßnahmen kam es im Jahr 2003 zu einem dramatischen Etatrückgang von 9,3 %, womit sich die Literaturmittel wieder auf dem Niveau von 1996 bewegten. Diese Rückgänge konnten in der Vergangenheit zwar teilweise durch Sondermittel und Zuwendungen etwa vom Staatsministerium kompensiert werden, allerdings fließen diese Mittel meist erst recht spät im Haushaltsjahr und sind unterschiedlich hoch, so dass man sie nur schlecht in den regulären Haushalt einplanen kann. Um die Einsparungsmaßnahmen aufzufangen, haben sich die WBs in Bayern in den letzten Jahren darum bemüht, die schlimmsten Auswirkungen der Finanzkrise im Rahmen eines so genannten Konvergenzkonzepts abzufangen. Das Ziel dabei ist die Verbesserung der Kooperation unter den Bibliotheken durch die Entwicklung eines kooperativen Leistungsverbundes.

 

 

2.4 Die finanzielle Situation der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen

Die Hamburger Öffentlichen Bücherhallen (HÖB) begegnen der Finanzkrise ihres Hauptträgers, der Hansestadt Hamburg, mit innovativen und effektiven Methoden. In Hamburg sparen die Kulturbetriebe und damit auch die Bücherhallen bereits seit zehn Jahren konzeptionell und effektiv. Dieses Vorgehen resultiert aus der Tatsache, dass die Budgets der Kultureinrichtungen lange Jahre de facto nicht erhöht worden sind. Trotzdem mussten aber Preis- und Tarifsteigerungen von rund 20 % aufgefangen werden.

Die HÖB existieren als Stiftung, eine Gesellschaftsform, die rechtlich den Bedingungen eines privaten Unternehmens entspricht. Die Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen kann sich aber – wie alle bibliothekarischen Einrichtungen in Deutschland – nicht ohne öffentliche Zuwendung erhalten, weil ihre Produkte nicht kostendeckend produziert und vermarktet werden können. Trotzdem arbeitet die Stiftung tendenziell eher effizienter und kostenbewusster als Bibliotheken, die konventionell Teil der Kommunalverwaltung sind, weil durch die Struktur der Stiftung der Kostenanfall für alle Beteiligten transparent und die Budgetverantwortung bindend ist.

Einige Maßnahmen, die die HÖB ergriffen haben, um ihre Kosten dauerhaft zu senken:

 

3. Die Finanzsituation der Bibliotheken international

 

3.1 Das Bibliothekssystem in Finnland

In Finnland gibt es schon seit 1928 ein Bibliotheksgesetz, das die Existenz öffentlicher Bibliotheken in jeder Kommune festlegt. Seit dieser Zeit wurden die ÖBs immer in Mischfinanzierung betrieben: als Einrichtung der Kommune, eingebunden in die Distriktverwaltung und gefördert vom Staat. http://www.bibliothek2007.de/x_media/pdf/best_practice_recherche.pdf)

Im Jahr 2002 wurde durchschnittlich 1 Prozent der kommunalen Haushalte für öffentliche Bibliotheken ausgegeben. Der Gesamtaufwand für das Bibliothekswesen lag 2002 bei 231,5 Millionen Euro. Wissenschaftliche Bibliotheken werden in der Regel aus den Gesamtbudgets der Einrichtungen, für die sie tätig sind, finanziert. Wenn sie zusätzlich noch gesamtstaatliche Aufgaben wahrnehmen, erhalten sie dafür zusätzliche Gelder vom Ministerium für Bildung.

Das Personal in den Bibliotheken Finnlands ist wie in ganz Europa überaltert (die meisten über 50 Jahre) und überwiegend weiblich. Obwohl die Bibliotheken einen sehr hohen Beliebtheitsgrad und Akzeptanz in der Bevölkerung besitzen und der Beruf des Bibliothekars damit einige Wertschätzung erfährt, verdienen Bibliothekare in Finnland – ebenso wie Lehrer – weniger als ihre deutschen Kollegen.

Seit den 50er Jahren wurde ein professionelles Bibliothekssystem, das auch kontinuierlich vom Staat gefördert wurde, aufgebaut.

Trotz der Wirtschaftskrise Anfang der 90er Jahre, die durch den Zusammenbruch der Sowjetunion ausgelöst wurde, blieb das Bibliotheksnetz durch gesetzliche Zusagen und die funktionierende Infrastruktur intakt.

Zwar gab es von 1991 bis 1998 Budgetkürzungen bei den Öffentlichen Bibliotheken: 14 % der Einrichtungen vor Ort und 11 % der Fahrbüchereien wurden geschlossen. Die Bibliotheken haben diese Einsparungen und Neuregelungen jedoch durch effiziente Kooperation und den intensiven Gebrauch der modernen Kommunikations- und Informationstechniken auffangen können. Weitere Erfolgsfaktoren waren:

 

 

3.2 Die finanzielle Situation in Großbritannien

 


Abbildung 2: Entwicklung der Ausgaben öffentlicher Bibliotheken 1998–2002
( Bibliothek 2007: Internationale Best-Practice-Recherche.
Hrsg. Bertelsmann Stiftung und DBV, 2004)

Im „Public Libraries and Museums Act” von 1964 ist festgehalten, dass jede Kommune ein umfassendes bibliothekarisches Angebot unterhalten muss und keine Gebühren für die Ausleihe von Büchern erheben darf. Diese Regelung gilt allerdings nur für Bücher, für andere Medien dürfen (und werden auch) Gebühren erhoben werden.

Die Einnahmen der Bibliotheken durch alternative Einnahmequellen wie den Betrieb von Cafés etc. sind ähnlich hoch (bzw. niedrig) wie in Deutschland (max. 10-15 % der Gesamtkosten). Vereinzelt werden durch den Betrieb von den Bibliotheken angeschlossenen Cafés oder durch Dienstleitungen für kleine und mittlere Unternehmen weitere Einnahmequellen erschlossen.

Außerdem hat sich in den letzten zehn Jahren in Großbritannien verstärkt eine Ausschreibungskultur etabliert, wodurch die Bibliotheken von niedrigeren Preisen profitieren. Grundsätzlich sind die Bibliotheken zwar weiterhin durch die institutionelle Förderung abgesichert, sie nutzen jedoch verstärkt diese Einnahmequelle. Wissenschaftliche Bibliotheken erhalten Gelder über das so genannte „funding council“, das die Mittel nach einheitlichen Bedingungen an die Universitäten verteilt. Dieses Verteilungssystem wird von den meisten Experten auch als gerecht betrachtet.

Bei den Ausgaben der ÖBs in Großbritannien sind die Personalkosten genauso wie in Deutschland der größte Posten. Zwischen 1998 und 2002 gab es einen Anstieg von 672 auf 782 Mio. Pfund (s. Abb.2). Das entspricht 16 %. Allerdings liegen die Einstiegsgehälter der Bibliothekare nur bei rund 24 000 bis 33 000 EUR.

Der zweitgrößte Posten sind die Ausgaben für die Verwaltung, worin auch die Kosten für den Unterhalt von Gebäuden u.ä. miteingerechnet sind. Die Kosten stiegen hier im genannten Zeitraum von 326 auf 405 Mio. Pfund (24 %).

Der Erwerbungsetat der Öffentlichen Bibliotheken ist erstaunlicherweise rückläufig, von 1998 bis 2002 um 2 %, die Zahl der jährlichen Neuerwerbungen bleibt jedoch gleich. Ein möglicher Grund hierfür könnte der Wegfall der Buchpreisbindung sein. Bei den Wissenschaftlichen Bibliotheken in Großbritannien liegt eine ähnliche Ausgabenentwicklung vor. Es gibt jedoch einen starken Anstieg der Erwerbungskosten von 35 %. Dieser Anstieg ist wie in Deutschland vor allem auf die gestiegenen Zeitschriftenpreise zurückzuführen.

Der Wandel, der sich in den letzten Jahren im britischen Bibliothekswesen vollzogen hat, wurde vor allem mit Hilfe massiver Infrastrukturinvestitionen und mit durch Lotteriemittel aufgestockter Finanzierung vollzogen. Durch den andauernden Einsatz von Projektförderungen, zum Beispiel re:source, einer Regierungsinstitution, die auch für das Bibliothekswesen zuständig ist, wurden die Bibliotheken Großbritanniens zu einem leistungsfähigen Netz moderner, kundenorientierter Einrichtungen ausgebaut.


3.3 Aktuelle Entwicklungen in den Öffentlichen Bibliotheken Frankreichs

Im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts konnten die Öffentlichen Bibliotheken Frankreichs zwar einen kräftigen Wachstumsschub verzeichnen, doch im neuen Jahrtausend bekamen auch sie die Folgen der schlechten Wirtschaftslage zu spüren.

Die Bibliotheken, die seither an ständig steigende Jahresetats und Erwerbungen gewohnt waren, mussten sich jetzt an geringere Steigerungsraten oder sogar leichte Rückgänge gewöhnen.

Konkret bedeutet das, dass die Mittel für Erwerbungen im Jahr 2002 gegenüber dem Vorjahr nur um 0,9 % gestiegen sind, während im Vorjahr noch 3,4 % zu verzeichnen waren. Weil die Print- und AV-Medien ebenfalls teurer geworden sind, ging die Zahl der Neuerwerbungen sogar leicht zurück.

Die Lage bei Bibliotheksbauten und Bücherbussen sieht dagegen etwas rosiger aus. Der Staat bietet durch die Ausschüttung von Subventionen Anreize für Neubauten. Deshalb ist auch ein Anwachsen der bibliothekarischen Nutzflächen zu verzeichnen. Die Zahl der Bücherbusse ist konstant geblieben, einige kleinere Kommunen haben auch Neuanschaffungen vorgenommen.

Die Stellensituation im Bibliothekswesen in Frankreich hat sich etwas entspannt, denn die französische Regierung hat in den letzten Jahren mehr Gelder bereitgestellt, um der schlechten Arbeitsmarktsituation entgegenzuwirken. Allerdings haben Bibliothekare im gehobenen und höheren Dienst von dem Stellenzuwachs kaum profitiert, denn es wurden hauptsächlich nicht bibliothekarisch ausgebildete, sondern lediglich angelernte Hilfskräfte eingesetzt. Durch die leicht steigenden Personalausgaben und andere Kostensteigerungen gingen die Erwerbungsausgaben in den Öffentlichen Bibliotheken zurück, von 13,7 auf 13 % des Jahresetats.


3.4 Die Situation in den USA

Wie die Vereinigten Staaten im Ganzen, ist auch das amerikanische Bibliothekssystem nach dem Subsidiaritätsprinzip aufgebaut: so viel Staat wie nötig, so wenig Staat wie möglich. Das hat zur Folge, dass es kaum staatliche Steuerungsinstrumente und – einrichtungen gibt.

Ein herausragendes Merkmal des amerikanischen Bibliotheksnetzes war schon immer sein hoher Selbstorganisierungsgrad und seine gute Vernetzung. Damit bleibt die Bibliothekslandschaft trotz fehlender übergeordneter staatlicher Stellen einigermaßen homogen. Es finden auch weiterhin Investitionen in Bibliotheksgebäude statt. So gab es im Dezember 2000 dreißig neue oder erweiterte Bibliotheksgebäude wissenschaftlicher Bibliotheken.

Bei der Beschaffung von Drittmitteln, zum Beispiel durch Fundraising, sind die USA Deutschland weit voraus. Viele Bibliotheken – sowohl Öffentliche als auch Wissenschaftliche Bibliotheken - betreiben Fundraising professionell, entweder durch eigens geschulte Mitarbeiter oder Ehrenamtliche, die schon Erfahrung auf diesem Gebiet haben. Einige Bibliotheken unterhalten sogar eigene Abteilungen, die sich ausschließlich mit der Einwerbung von Drittmitteln beschäftigen. Die New York Public Library etwa hat eine Fundraisingabteilung, in der rund 40 Mitarbeiter beschäftigt sind. Weitere Möglichkeiten der Mittelbeschaffung sind Freundeskreise, Spenden und Veranstaltungen. Sehr verbreitet in den USA sind auch Begünstigungen aus Testamenten, Lebensversicherungen und ähnlichem. Einige Bibliotheken decken dadurch bis zu 30 % ihres Budgets ab. Allerdings liegt dieser Anteil im amerikanischen Bundesdurchschnitt sehr viel niedriger, nämlich bei nur 10 %.

Die von den Kommunen finanzierten öffentlichen Bibliotheken hatten 1998 5,7 Milliarden EUR zur Verfügung – durchschnittlich 22,56 EUR pro Einwohner.

Dabei nahm der Personalkostenblock rund zwei Drittel des Gesamtbudgets (64 %) ein (s. Abb.3). Für den Erwerb von Medien wird nur relativ wenig Geld ausgegeben, 1998 nur 15 %. Bei den WBs verschiebt sich das Verhältnis etwas, es werden nur etwa die Hälfte der Mittel für das Personal aufgewendet und über ein Drittel in die Medienbeschaffung investiert.

 


Abbildung 3: Ausgabenstruktur öffentlicher Bibliotheken in den USA 1998
( Bibliothek 2007: Internationale Best-Practice-Recherche.
Hrsg. Bertelsmann Stiftung und DBV, 2004)

 

4. Schlussgedanken:
Probleme des deutschen Bibliothekswesens

 

Anfang der 90-er Jahre hatten die meisten westlichen Industrieländer mit einer schlechten Wirtschafts- und Haushaltslage zu kämpfen. Andere Staaten, wie die Niederlande oder die skandinavischen Länder, haben diese Probleme in den folgenden Jahren mehr oder weniger gut unter Kontrolle bekommen, Deutschland hat dies jedoch versäumt. Das deutsche Bibliothekswesen musste und muss immer noch unter dieser negativen Entwicklung leiden.

Die Bibliotheken andere Länder hatten die schlechte Etatsituation besser abgefangen. Durch bessere Kooperationen, Konsortialbildung und den intensiven Einsatz von EDV gelang es ihnen früher und besser, dem Abwärtstrend der öffentlichen Haushalte zu begegnen. Auch die Einwerbung von Drittmitteln funktioniert in anderen Ländern wesentlich leichter. Kollegen in den USA würden vermutlich nur verständnislos mit dem Kopf schütteln, würden sie erfahren, dass es in Deutschland vielen Bibliotheken verboten ist, selbstständig Fundraising und ähnliches zu betreiben.

In Deutschland existiert im Vergleich zu vielen anderen Ländern der Welt immer noch kein Bibliotheksgesetz, das Kommunen verpflichtet, Bibliotheken zu unterhalten. Solange der Betrieb von Bibliotheken eine freiwillige Leistung der Städte bleibt, wird sich auch der Stellenwert der Bibliotheken in der Politik und bei der Bevölkerung nicht verbessern.

Es gibt in Deutschland keine nationale Bibliothekspolitik, die verbindliche Richtlinien vorgibt und das gesamtdeutsche Bibliothekswesen im Blick hat. Das Bibliotheksnetz ist vielmehr zersplittert in Landes- oder Kommunenzuständigkeiten. Jedes Bundesland, jede Region verfolgt eine andere Bibliothekspolitik, sodass von einer gemeinsamen Perspektive für das deutsche Bibliothekswesen nicht die Rede sein kann .

 

Quellen: Links | Literatur Punkt Finanzielle Situation
Referat als PDF Referat als PDF | Referat als Powerpoint-Show Referat als Powerpoint-Show

nach oben