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 Miriam Schröder, Andrea Schillinger
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             Vorstellung der Homepage www.bibliothekssterben.de - Analysen, Trends

Entstehungsgeschichte von www.bibliothekssterben.de
| Berufsverband dokumentiert Bibliotheksniedergang | Kritik und positive Aspekte der Homepage | Statistik | Verbesserungsvorschläge | Leidensweg einer Bibliothek bis zu ihrer Schließung | Situation im Ausland | Fragen an Herrn Friedling (FH-Bibliothek HdM Stuttgart) | Vorschläge und Ideen, dem Bibliothekssterben kommunalpolitisch entgegenzuwirken
 
In dieser Arbeit wird die Hompage www.bibliothekssterben.de des Berufsverbandes für Information Bibliothek, kurz BIB, vorgestellt. Dort werden mittels Traueranzeigen die geschlossenen und gefährdeten Bibliotheken des deutschen Sprachraums (hauptsächlich Deutschlands) dokumentiert.
Das Ziel dieses Referats ist es, anhand von Statistiken und Übersichtsgraphiken Analysen herauszuarbeiten, die einen Überblick vermitteln sollen über die betroffenen Bibliotheken, deren regionale Verteilung und die Maßnahmen, die zur Meldung an www.bibliothekssterben.de geführt haben.
 

1. Zur Entstehungsgeschichte der Homepage: www.bibliothekssterben.de

Die Homepage www.bibliothekssterben.de wurde bei einem nächtlichen geselligen Beisammensein während des Bibliothekskongresses 2004 in Leipzig nach dem Genuß zahlreicher Apfelsaftschorle am Mittwoch den 24. März 2004 ins Leben gerufen.
Die Urheber der Homepage www.bibliothekssterben.de sind Michael Reisser, der Geschäftsführer der Reutlinger Geschäftsstelle des "Berufsverbandes für Information Bibliothek", kurz BIB, und Christoph Ackermann (BIB-Bundesvorstand).
Der Berufsverband hat mit Sorge beobachtet, daß gerade das Schließen von Bibliotheken in deutschen Städten immer mehr als gängiges Mittel zur Haushaltskonsolidierung eingesetzt wird.
Sogar Kinder- und Jugendbibliotheken schließen ihre Türen, und der Etat von etlichen wissenschaftlichen Bibliotheken wird soweit gekürzt, daß der Einkauf neuer Bücher nicht mehr möglich ist.
Um auf diese Situation hinzuweisen, wählten die beiden den 23. April 2004, den Tag des Buches.
Sie suchen nach einer wirkungsvollen Aktion, die drastisch genug ist, um von der Presse wahrgenommen und aufgegriffen zu werden.

Die Idee einer Homepage zur Dokumentation bedrohter Bibliotheken war geboren. Oft schließen Bibliotheken- oder werden von erheblichen Sparmaßnahmen beeinträchtigt, ohne daß der BIB davon erfährt.
Auch die Zahlen und Statistiken über Bibliotheksschließungen der deutschen Bibliotheksstatistik DBS sind zu ungenau, so daß dieses Defizit durch die Homepage www.bibliothekssterben.de behoben werden oder dem zumindest entgegengewirkt werden soll.
 
Um mit der Homepage die gewünschte Wirkung zu erzielen, wählten die Urheber des Projektes ein drastisches Layout: Bibliothekssterben mit Todesanzeigen.
Die Eingangsseite der Homepage ist in schwarz-weiß gestaltet, mit schwarzen Grabsteinen und einem Sensenmann.
Jede Bibliothek in Deutschland, die sich durch eine Schließung ihrer Einrichtung bedroht fühlt, kann dies durch ein entsprechendes Formular melden und wird dann durch eine Traueranzeige in die Homepage www.bibliothekssterben.de aufgenommen. Die Meldung der Bibliotheksschließungen ist freiwillig; leider werden nicht alle gemeldet, so daß man von einer hohen Dunkelziffer ausgehen kann.
Ein weiteres Problem sind die anonymen Meldungen bedrohter Bibliotheken, da man nicht weiß, wie zuverlässig diese Meldungen sind.
 
Neben der Möglichkeit, durch ein Webformular die bevorstehende Schließung einer Bibliothek zu melden, hat die Redaktion der Verbandszeitschrift BuB, "Forum für Bibliothek und Information", einen Zeitschriftenausschnittdienst zum Thema "Bibliotheken" abonniert. Jeder Artikel, der das Thema Bibliotheksschließungen behandelt, wird bearbeitet und die betroffenen Einrichtungen in die Homepage www.bibliothekssterben. de eingetragen.
 
Das auffällige Layout der Internetseite hat sich bewährt; zahlreiche JournalistInnen greifen das Anliegen der Webseite durch ihre positiven Presseartikel auf und machen das Problem des Bibliotheksterbens in Deutschland zu einem wichtigen Thema.
Die positive Reaktion der Fachöffentlichkeit überwiegt eindeutig, es wird immer wieder auf den Nutzen und die Notwendigkeit der Website www.bibliothekssterben.de hingewiesen.
 

2. Berufsverband dokumentiert Niedergang der Bibliotheken

Gravierende Folgen für Bildung und Hochschulen

Zum Welttag des Buches hat der größte deutsche Bibliotheksverband, der Berufsverband Information Bibliothek (BIB, 6500 Mitglieder), eine eigene Internetseite ins Netz gestellt (www.bibliothekssterben.de), um geschlossene und gefährdete Einrichtungen künftig zeitnah erfassen zu können.
Der BIB sieht Deutschland bei der Literatur- und Informationsversorgung auf dem Weg in die Zweitklassigkeit.

Durch fortwährende Schließungen und massive Etatkürzungen bei Öffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken fehle den dringend nötigen Reformen im Bildungs- und Hochschulbereich mittlerweile eine wichtige Grundlage.
"Der Niedergang der deutschen Bibliotheken fand bisher meist im Verborgenen statt, betroffene Einrichtungen tauchen oft erst Jahre später in den offiziellen Statistiken auf", begründete Klaus-Peter Böttger, BIB-Vorsitzender und Leiter der Stadtbibliothek Mülheim an der Ruhr, die Einrichtung des Internetportals.
 
Allerdings könne die mangelhafte Ausstattung vieler Bibliotheken auch so kaum mehr kaschiert werden. "Wenn etwa die meisten der 17 Fachhochschulbibliotheken in Bayern in diesem Jahr faktisch keine Bücher kaufen können, hat dies massive Auswirkungen auf die Qualität der Hochschullehre."
Bibliotheken würden noch immer als disponible Größe angesehen.
Die bayerischen Fachhochschulen hätten beispielsweise eine pauschale Kürzung der Gesamtetats weit überproportional auf die Literaturbudgets übertragen.
In einer ähnlichen Situation befänden sich die kommunalen Bibliotheken. "Büchereien sind freiwillige Leistungen", so Böttger, "hier setzen die Kämmerer häufig als erstes an."
Die gravierenden Folgen werden am Beispiel Sachsen-Anhalts besonders deutlich: Von den rund 1.000 Öffentlichen Bibliotheken des Landes im Jahr 1990 sind heute noch 350 übrig geblieben.
 
Die wichtige Rolle der Bibliotheken gerade im schulischen und akademischen Lern- und Vermittlungsprozeß habe man in anderen Ländern längst erkannt und entsprechend umgesteuert.
Böttger: "In Skandinavien sind Bibliotheken eine kommunale Pflichtaufgabe, darüber hinaus ist die Zusammenarbeit von Bibliothek, Schule und Erwachsenenbildung dort überall etabliert.
"Daß die in der PISA-Studie nachgewiesene überdurchschnittliche Lesekompetenz - wie in Finnland - auch mit der hervorragenden Ausstattung der dortigen Bibliotheken zu tun hat, sei in der deutschen Bildungsdebatte noch immer nicht angekommen.
 
Deutschland fehle eine nationale Strategie, die die Bibliotheken als wichtigen Bestandteil des deutschen Bildungs- und Hochschulsystems in entsprechende Reformvorhaben einbeziehe.
Die Bibliotheksverbände hätten der Politik mit dem Konzept "Bibliothek 2007"
entsprechende Vorschläge unterbreitet.
Für den BIB-Vorsitzenden ist klar: "Die Umsetzung kann nur gelingen, wenn die politisch Verantwortlichen auch hierzulande endlich die enorme Bedeutung der Bibliotheken für Bildung, Forschung und das lebenslange Lernen erkennen."
 
Quelle: Börsenblatt online vom 23.04.2004

 

3. Kritik und positive Aspekte der Homepage

3.1. Kritik an der Hompage www.bibliothekssterben.de

Es gibt auch Kritik an der Website www.bibliothekssterben.de.
Es wird gesagt, die Homepage www.bibliothekssterben.de gebe den "Gegnern", wie z.B. Politikern und Kämmerern, eine Beispielsammlung und Argumentationshilfen, um Bibliotheken zu schließen. Außerdem könnte der Eindruck entstehen, die betroffenen Bibliotheken würden sich als "Jammerer" darstellen.
Diese Gegenposition wurde in den BIB-Gremien, sowie im Bundesvorstand und in den Landesvorständen intensiv diskutiert und einstimmig verworfen. Da es kein Bibliotheksgesetz gibt, ist die Homepage eine wichtige Institution, um Kritik an den Praktiken bei der Haushaltskonsolidierung zu äußern.
Es sei nicht ausgeschlossen, daß Kämmerer und politisch Verantwortliche durch die Internetseite auf "unschöne Ideen" gebracht würden. Deshalb wurde die Frage in den Raum gestellt, ob man deshalb die Homepage aus dem Netz nehmen solle.
Ließe man sich auf dieses Vorgehen ein, müßte jede Art der Dokumentation von Mißständen auf der Welt unterbleiben, so daß viele Organisationen von Gewerkschaften über amnesty international bis hin zu Greenpeace ihre Aktivitäten einschränken oder gleich ganz aufgeben müßten.

3.2. Die positiven Aspekte der Homepage www.bibliothekssterben.de

Neben der Kritik an der Homepage www.bibliothekssterben.de überwiegt die positive Seite dieses Projektes.
Der Niedergang deutscher Bibliotheken ist endlich öffentlich, in einer Statistik erfaßt und für jeden einsehbar. Gefährdete Bibliotheken können durch die Internetseite auf sich aufmerksam machen und auf ihre schlechte Lage hinweisen. Die Homepage ist ein gutes Werkzeug, um Kritik bewußt zu provozieren und das mangelnde Interesse der Bevölkerung eventuell sogar in Unterstützung umzuwandeln.
So wird vielleicht den politisch Verantwortlichen klar, wie wichtig Bibliotheken für Bildung, Forschung und lebenslanges Lernen sind und daß endlich etwas gegen das deutschlandweite Bibliothekssterben getan werden muß.

3.3. Ein Beispiel für den positiven Effekt

Bereits drei Bibliotheken konnten wieder aus der Liste der Sterbeanzeigen genommen werden. Eine davon ist die Stadtbibliothek Würselen (in der Nähe von Aachen).
Der Stadtrat der Stadt Würselen hat beschlossen, eine gestrichene Stelle wieder in den Stellenplan der Stadtbibliothek Würselen aufzunehmen, wodurch die Bibliothek Würselen gerettet ist und wieder geregelte Öffnungszeiten anbieten kann.
 

4. Statistik

Erstellung der Statistik:

4.1. Datenübertrag

Zunächst einmal wurden die Angaben aus den Todesanzeigen in eine Exceltabelle übertragen. Als nächster Schritt wurden die Anzeigen auf Mehrfacheinträge und Unsinniges geprüft und diese dann entfernt. Weiters wurden die Anzeigen auf Zusammenfassungen untersucht (z.B. ob in einer Mitteilung die Schließung von mehreren Stadtteilbibliotheken gemeldet wurde) und diese dann in separate Anzeigen umgewandelt. Beispiel: Die Meldung, daß alle 19 bayerischen Fachhochschulbibliotheken mit Etatkürzungen von bis zu 65% zu kämpfen hätten, wurde als 19 Einzelmeldungen behandelt.

Problem hierbei: In einigen (4) Anzeigen war es der Fall, daß eine unbestimmte Anzahl von Bibliotheken angegeben wurde; hier wurden dann 3 bzw. 4 angenommen; jeweils bezogen auf die Größe der Stadt und deren Einwohnerzahl.

4.2. Überführung der Ergebnisse in ein Schlagwortraster

Das weitere Vorgehen bestand darin, die Maßnahmen, die zur Meldung an www.bibliothekssterben.de geführt hatten, in ein Schlagwortschema zu überführen, wobei eine Balance gefunden werden mußte zwischen vereinheitlichter Darstellung und Berücksichtigung der individuellen Einzelschicksale. Die gefundenen Kategorien sind wie folgt: Außerdem wurden die Bibliotheken in folgendes Raster gebracht:

Als Spezialbibliothek - Interessenkreis wurden auch Stadtteilbibliotheken bzw. Zweigstellen eingestuft, die ein besonderes Angebot für einen bestimmten Benutzerkreis bieten, z.B. die Bibliothek Spinnboden.
 
Für ein weiteres Diagramm wurden die Bibliotheken als ÖB / WB / Spezialbibliotheken zusammengefaßt:

Sicherlich ist die Klassifikation von Ausbildungsbibliotheken als Spezialbibliotheken diskutabel, erschien aber aufgrund der klar umrissenen Zielgruppe sinnvoller als eine Einteilung in die anderen beiden Gruppen, da einerseits kein Freizeitbestand zu erwarten ist (was für eine Einteilung zu ÖB sprechen würde), andererseits auch keine tiefergehende wissenschaftliche Literatur (was für WB gesprochen hätte).

4.3. Anhand dieser Kategorien konnte anschließend eine Auswertung erfolgen.

Die Aufgabenstellung war, verschiedene Trends bezüglich der Art, der Bestandsgröße und der regionalen Verteilung der betroffenen Bibliotheken festzustellen. Die gefundenen Daten farblich abgestuft in eine Deutschlandkarte, die nach Postleitzahlenregionen (erste zwei Ziffern) eingeteilt ist, einzutragen, erschien für dieses Vorhaben am besten geeignet, da sich auf diese Weise die einzelnen Ergebnisse auf einen Blick erfassen lassen.
 
Erläuterung zu einigen Maßnahmen:

4.3.1. Art der betroffenen Bibliotheken

Von der Art der Bibliotheken ist die öffentliche Bibliothek mit großem Abstand die erste Wahl bei Mittelkürzungen und Schließungen.




4.3.2. Bestandsgröße

Angaben zum Bestand haben nur 52 Bibliotheken gemacht. Somit stellt das nachfolgende Diagramm nur einen Ausschnitt und keine repräsentative Graphik dar.
Wie aus dem Säulendiagramm ersichtlich ist, sind vor allem Bibliotheken mit Bestand bis zu 20000 Medien am stärksten betroffen (31 von 52). Es ist zu vermuten, daß diese wohl als am ehesten entbehrlich erscheinen, da es sich hier oft um Zweigstellen oder um Einrichtungen kleinerer Orte handelt.
Bei Einträgen, die die Schließung von mehreren Zweigstellen bekanntgaben, wurde lediglich ein Eintrag in das Diagramm vorgenommen, da sich die Bestandsgröße stets auf das Gesamtvolumen bezog.


4.3.3. Regionale Verteilung

Zu bemerken ist noch, daß zwar 11 Einträge aus den Nachbarländern Österreich und Belgien in www.bibliothekssterben.de zu finden sind, diese aber für die Auswertung der regionalen Verteilung in Deutschland nicht herangezogen wurden.
Letztendlich läßt sich zusammenfassen, daß besonders Regionen im Osten und eher in der Nordhälfte Deutschlands betroffen sind. Im Süden ist auffällig, daß in Bayern alle 19 Fachhochschulbibliotheken gemeldet wurden (siehe Karte WB).
Vier Regionen Deutschlands sind laut dieser Statistik besonders betroffen: Berlin, Hamburg, Hannover und Duisburg; davon Duisburg und Berlin mit Abstand am schwersten.
Diese Karten geben die Anzahl der betroffenen Bibliotheken pro zweistelligen Postleitzahlenbezirken wieder.


Öffentliche Bibliotheken sind besonders im Osten des Landes und im Ruhrgebiet betroffen.
Schulbibliotheken wurden nur im Norden und Osten geschlossen.
Wissenschaftliche Bibliotheken wurden hauptsächlich aus Bayern gemeldet; in der Mitte der Nordhälfte Deutschlands, besonders auch in Berlin, ist eine größere Region gemeldet worden. Spezialbibliotheken wurden hauptsächlich aus der Westhälfte gemeldet.

4.3.4. Maßnahmen

Um die ergriffenen Maßnahmen zu dokumentieren, wurden die erhobenen Daten in das unter 4.1. vorgestellte Raster überführt und nach bereits stattgefundenen und geplanten Aktionen getrennt.

Wie der Graphik "Ist-Zustand" zu entnehmen ist, scheint das Mittel der Wahl zur Haushaltskonsolidierung in übergeordneten Haushalten generell die Schließung zu sein, gefolgt von Einsparungen beim Personal bzw. Umstellung auf Ehrenamt. Überraschend scheint in diesem Zusammenhang, daß weniger drastische Maßnahmen wie beispielsweise Etatkürzungen erst auf den Plätzen folgen. Anhand dieser Graphik ist nicht ersichtlich, wie gravierend die finanziellen Einschnitte waren; betrachtet man die einzelnen Meldungen jedoch kritisch, stellen gerade Etatkürzungen bzw. in einigen Fällen sogar komplette Streichungen harte Einschnitte dar; besonders, da sich die Zahlen meist jenseits der 50%-Grenze bewegen bzw. Einsparungen von mehreren 100000€ pro Jahr angemahnt wurden.


 
Betrachtet man die geplanten Vorgehensweisen, so ist auch hier die Schließung das bevorzugte Mittel, diesmal jedoch gefolgt von Weiterführung unter geänderten Vorzeichen. Dies bedeutet, daß entweder ein Zusammenschluß mit einer anderen Bibliothek stattfinden soll, die Bibliothek in bestandreduzierter Form (entweder generell dezimierter Bestand oder auf eine Zielgruppe beschränkt) oder gar als Schülerprojekt weitergeführt werden soll.
Geplante Einschnitte in den Etat wurden nicht gemeldet, sind aber als sehr wahrscheinlich anzunehmen.

4.3.5. Maßnahmen nach Bibliothekstyp

Interessant zu sehen ist auch, wie sich die ergriffenen und geplanten Maßnahmen (diesmal zusammengefaßt) nach Bibliothekstyp unterscheiden:




4.3.6. Maßnahmen nach PLZ-Region


 

4.3.7. Maßnahmen nach Bundesland


Interessant ist sicherlich die Aufschlüsselung nach Bundesländern, wobei aber wegen der geringen Datenfülle nicht auf landespolitische Maßnahmen geschlossen werden kann. Man könnte aber sicherlich bei repräsentativen Ergebnissen eine solche Übersicht als Ausgangsbasis für weitere Nachforschungen in landespolitische Richtung verwenden.
Generell scheint aber kein sichtbarer Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland zu bestehen; in der Nordhälfte Deutschlands überwiegen aber im Vergleich zur Südhälfte prozentual gesehen die Schließungen.

4.3.8. Weitere Ergebnisse

Insgesamt gab es 30 Bibliotheken, die mehr als eine Maßnahme zu erleiden hatten.
Im Vorwort der Internetseite heißt es zwar, daß eigentlich keine betriebseigenen Bibliotheken aufgenommen werden, da die Übersicht sonst offenbar ein verzerrtes Bild der Gesamtsituation liefern würde; dennoch findet man einige Firmenbibliotheken.

Nicht zu vergessen ist allerdings die Tatsache, daß die Meldungen an www.bibliothekssterben.de freiwillig und deshalb nicht vollständig sind. Deshalb kann diese Seite nur einen Überblick geben und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, was die Betreiber auch ausdrücklich und mit Bedauern nicht tun.
 

5. Verbesserungsvorschläge

Die Seiten www.bibliothekssterben.de sind sehr ansprechend und übersichtlich gestaltet; die Benutzung ist denkbar einfach und auch die Übersicht nach Postleitzahlen ist positiv anzumerken.
Verbesserungswürdig sind lediglich die Rahmen der Traueranzeigen, die bei umfangreicheren Einträgen "gesprengt" werden.
 
An der Eingabemaske könnte man noch genauere Angaben von den eintragenden Institutionen verlangen (z.B. durch Markieren von Pflichtfeldern); so beispielsweise, daß entweder die komplette Postleitzahl oder zumindest die ersten beiden Stellen angegeben werden müssen. So ließen sich eventuell auch unmotivierte oder nicht fundierte Meldungen einschränken.
 
Auch könnte man ein Auswahlmenü für die Art der betroffenen Bibliothek einführen, so daß eine genauere Kategorisierung möglich würde. An ein solches Auswahlmenü gekoppelt wäre dann zusätzlich zur Übersicht nach Postleitzahlen eine Übersicht nach Art der Bibliotheken machbar.
Das Bestandsfeld könnte man aufsplitten in eine numerische Bestandsangabe und ein Textfeld zur Beschreibung des Bestandes; so wäre eine genauere Bestandsaufnahme möglich und zugleich würde das Ausmaß des Verlustes besser deutlich.
 
Eine Umbenennung in "Bibliotheksleben und -sterben" (Vorschlag von Herrn Reisser selbst) wäre eventuell noch eine Möglichkeit, der Homepage einen neue Dynamik zu verleihen, indem sie nicht nur den Untergang der Bibliotheken dokumentiert. Dann könnte man zusätzlich noch hervorheben, was eine Traueranzeige generell ist: eine Familienanzeige. Die Bedeutung der Bibliothek als Teil des täglichen Lebens müsste noch deutlicher unterstrichen werden.
 
Als weiteren Vorschlag, der bereits in Arbeit ist, nannte Herr Reisser sein Vorhaben, Zitate von Politikern mit aufzunehmen, um die ganze Angelegenheit noch zu konterkarieren.
 

6. Leidensweg einer Bibliothek bis zu ihrer Schließung:
Die Heinrich-Heine-Bibliothek in Berlin-Mitte

09.04.2002 In der Berliner Morgenpost ist folgendes zu lesen: "Gute Nachrichten für Bücherfreunde. Stadträtin will Bibliotheks-Etat aufstocken..."
 
10.07.2002 In die Heinrich-Heine-Bibliothek wird fleißig investiert.
Sie erhält Internetanschluß, eine Besucherzählanlage und eine neue Telefonanlage im Wert von ca. 40.000 €.
 
17.07.2002 Aus der Presse wird bekannt, daß die Heinrich-Heine-Bibliothek geschlossen werden soll.
In Pressebeiträgen nehmen Bürger gegen die drohende Schließung der Bibliothek Stellung.
 
August 2002. Es gibt die ersten Protestbriefe der Bürger an die Verantwortlichen im Stadtbezirk. Die Berliner Stadtzeitung schreibt, daß die Bibliothek eben erst mit neuer Technik ausgerüstet wurde, z.B. einem neuen Internetanschluss.
"Es ist, als würde man sich ein teures Buch kaufen, um es "ungelesen" wegzuwerfen.
 
26.08.2002 Die "Bürgerinitiative zur Erhaltung der Heinrich-Heine-Bibliothek" formiert sich und beschließt Protestaktionen.
In den Monaten September und Oktober 2002 gehen zahlreiche Protestbriefe der Bürger an Kommunal- und Berlinpolitiker, die in der Regel ausweichend und unbefriedigend beantwortet werden.
 
31.10.2002 Das Stadtbezirksparlament beschließt nach einer abschließenden Lesung den Haushalt 2003.
Mit den Stimmen von SPD, PDS und Bündnis 90/Die Grünen wird die Schließung der Heinrich-Heine-Bibliothek besiegelt.
 
November 2002 Dem Dichter Heinrich Heine, der seit vielen Jahren als Denkmal vor der Bibliothek steht, werden von der Bürgerinitiative demonstrativ die Augen verbunden. Ein Schild vor seiner Brust ruft zu weiteren Protesten auf.
 
06.11.2002 Mitglieder der Bürgerinitiative überreichen 1600 Unterschriften gegen die Schließung der Heinrich-Heine-Bibliothek, dem Bürgermeister Joachim Zeller.
Er verspricht, noch einmal mit der zuständigen Stadträtin zu prüfen, wie die Bibliothek doch noch vor einer Schließung gerettet werden kann.
 
04.12.2002 Die Berliner Zeitung berichtet, daß die Bürgerinitiative von der Hauseigentümerin der Bibliothek die Zusage erhalten hat, auf die Jahresmiete von ca. 70 000 € im Jahr zu verzichten, damit der Bibliotheksbetrieb weitergehen kann.
Auch für die Betriebskosten, ca. 1.500 € monatlich, sind Sponsoren gefunden worden.
Die Angebote wurden dem Bezirksamt übermittelt mit der Bitte, die Schließung rückgängig zu machen.
 
31.12.2002 Die letzte Möglichkeit, Bücher zu entleihen. Im Januar sind die Kinder- und die Erwachsenenbibliothek noch geöffnet, um entliehene Bücher zurückbringen zu können.
 
16.01.2003 Die letzte Sitzung der Bürgerinitiative, die sich ihre Niederlage eingesteht.
 
Fazit: Mehr als 40 Berichte in den Medien, engagierte Öffentlichkeitsarbeit,
ca. 2000 Unterschriften gegen die Schließung, viele Gespräche mit den politisch Verantwortlichen und zahlreiche Protestbriefe, jedoch insgesamt gescheitert an Volksvertretern, Politikern und Amtsinhabern, für die die Schließung der Heinrich-Heine-Bibliothek von vorn herein feststand und die zu keinen kreativen, bürgernahen Lösungen bereit waren.
Die Anwesenden beschließen, sich als "Bürgerinitiative zur Wiedereröffnung der Heinrich-Heine-Bibliothek" aktiv an der Vorbereitung der nächsten Kommunalwahlen zu beteiligen.
 
31.01.2003 Letzter Öffnungstag der Heinrich-Heine-Bibliothek.
 

Herr Prof. Dr. Frank-Rainer Schurich von der Bürgerinitiative der Heinrich-Heine-Bibliothek war so freundlich, Fragen bezüglich des Leidensweges der Heinrich-Heine-Bibliothek zu beantworten:

Als Nachtrag sei gesagt, daß sich die Bürgerinitiative der Heinrich-Heine-Bibliothek auch weiterhin in die Bezirkspolitik einmischt und aktiv für eine Neueröffnung ihrer Heinrich-Heine-Bibliothek kämpft; die Initiative will im Heinrich-Heine-Viertel auch "Wahlkampf" machen. Ziel sei nicht, die Bürgerinitiative zur Wahl zu stellen, sondern die Bürgerinnen und Bürger aufzurufen, zumindest ein Zeichen setzen und nur Kandidaten zu wählen, die sich für die Neueröffnung der Bibliothek einsetzen.
 

7. Die Situation im Ausland

Es war sehr schwierig, Berichte oder gar Statistiken über die Situation im Ausland zu finden, da - so laut auch Herrn Reisser vom BIB - die statistische Erfassung geschlossener Bibliotheken sehr schwierig ist oder gar nicht erfolgt, besonders, da nach Abwicklung geschlossener Bibliotheken kaum Statistikbögen ausgefüllt würden.

Es waren Berichte über Einzelfälle zu finden, jedoch kaum etwas über die Gesamtsituation im jeweiligen Land.
Die einzigen beiden, Länder / Regionen, über die halbwegs ergiebige Berichte veröffentlicht waren, seien hier vorgestellt:
 
In Skandinavien scheint es den Bibliotheken jedoch generell besser zu gehen als hierzulande; dort seien laut Klaus-Peter Böttger, BIB-Vorsitzender und Leiter der Stadtbibliothek Mülheim an der Ruhr, Bibliotheken eine kommunale Pflichtaufgabe, darüber hinaus sei die Zusammenarbeit von Bibliothek, Schule und Erwachsenenbildung dort überall etabliert.
 
In Großbritannien scheint die Lage ähnlich prekär wie in Deutschland; laut Artikeln von The Guardian (28.4.2004) und BBC (27.4.2004) rechnen Pessimisten damit, daß public libraries in Großbritannien bis zum Jahr 2020 geschlossen sein könnten.
Statistiken ergeben, daß der staatliche (kommunale) Anteil an den Kosten in den letzten 10 Jahren um 39% gestiegen (davon allein eine Steigerung um 25% seit 1999 auf 1 Milliarde Pfund), die Erwerbungsausgaben hingegen auf lediglich 9% des Gesamtbudgets gefallen sind.
Als dringliche Maßnahme wird erwähnt, daß die Verwaltung von Bibliotheken zu aufgebläht sei und der Verbesserung bedarf; sowie daß die Vorgänge von Bucherwerbung bis zur Bereitstellung für die Leser straffer und vor allem kostengünstiger zu organisieren wären: So verschlingt ein Buch, das 10 Pfund kostet, 24 Pfund an Bearbeitungsgebühr, bis es der Leser in Händen hält.
Schuld an der Misere seien unter anderem Beamte, die öffentliche Gelder verschwendeten, und die Tatsache, daß nicht sichergestellt wurde, daß geldwerte Dienste angeboten würden.
 
In den USA sei es laut Herrn Professor Dr. Schurich in Berufung auf einen Kollegen unmöglich, eine Bibliothek zu schließen. Jeder Kommunalpolitiker würde sich bloßstellen und sofort abgewählt werden, hätte er dies vor.


8. Fragen an Herrn Friedling, den Leiter der FH-Bibliothek der Hochschule der Medien, in Stuttgart:


9. Vorschläge und Ideen, wie man dem Bibliothekssterben in Deutschland kommunalpolitisch entgegen wirken kann:

Bibliotheken müssen in Zukunft viel mehr Eigeninitiative und Kreativität in Ihrem Bibliotheksalltag zeigen.

Bibliotheken müssen Wert darauf legen, von Anfang an sowohl in kommunal- als auch in bundespolitische Reformvorhaben miteinbezogen zu werden.
 
Den politisch Verantwortlichen muß klar gemacht werden, wie wichtig Bibliotheken für die Bildung und das kulturelle Zusammenleben der Bürger sind, als Treffpunkt verschiedener Kulturen und Zielgruppen, als Einrichtung für lebenslanges Lernen, als kultureller Mittelpunkt einer Stadt.
 
Wenn sich die Bürger mehr über ihre Rechte bewußt werden, sich in die Kommunalpolitik einmischen und diese Rechte - vor allem ihren Anspruch auf Bildung - aktiv einfordern, wird dies auch den Bibliotheken zugute kommen und Bibliotheksschließungen werden der Vergangenheit angehören.
 
Ganz besonders die Heinrich-Heine-Bibliothek ist Vorbild für alle Bibliotheken, die durch eine Schließung ihrer Bibliothek bedroht sind, den Kopf nicht hängen zu lassen, sich mit ihren Bürgern in die Kommunalpolitik einzumischen und ihre Recht auf Bildung einzufordern.
 
Schließlich könnte man noch dem US-amerikanischen Beispiel folgen und Bibliotheken als schützenswerte und nicht zu schließende Einrichtungen deklarieren.
 

Quellen: Links | Literatur Punkt www.bibliothekssterben.de
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